CH/U: Kampf gegen die Prostitution minderjähriger Ungarinnen

Prostitution Minderjähriger (ab 16) in der Schweiz legal, das wird jungen Ungarinnen zum ''Verhängnis''

ref.ch. Der Bischof der reformierten Kirche Ungarn, Distrikt Donau, Istvan Szabo, hat in Aarau ein Protestschreiben überreicht, in dem die ungarische Kirche die Not anspricht, die durch die Prostitution junger Ungarinnen in der Schweiz verursacht wird. Das Anliegen wurde vom Aargauer Landammann Urs Hofmann und Nationalrätin Pascale Bruderer sowie vom Präsidenten des Kirchenbunds, Gottfried Locher, und der Aargauer Kirchenratspräsidentin, Claudia Bandixen, entgegengenommen. Dies teilte die Aargauer reformierte Kirche am 30. August mit.

Bischof Istvan Szabo sei dabei unterstützt worden von Zoltan Balog, dem ungarischen Staatsminister für soziale Integration, der die Zusammenarbeit von Kirche und Staat in dieser Thematik betont habe. Szabo und Balog, die auf Einladung der reformierten Kirche Aargau in der Schweiz weilen, wiesen an einer Medienkonferenz am 30. August in Aarau auf das Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch hin, das auch die Schweiz offiziell unterzeichnet hat. «Trotzdem ist die Prostitution in der Schweiz immer noch ab 16 Jahren erlaubt, was vielen jungen ungarischen Frauen zum Verhängnis wird. Von diesem für uns unverständlichen rechtlichen Freiraum ist Ungarn in besonderer Weise betroffen», heisst es in dem Protestschreiben.

Der Aargauer Justiz- und Polizeidirektor Urs Hofmann bezeichnete die Problematik an der Medienkonferenz gemäss Mitteilung als «beschämend und alles andere als ein Ruhmesblatt für unsere Gesetzgebung». Er begrüsse es deshalb sehr, dass Bundesrätin Simonetta Sommaruga für die Revision des Strafgesetzbuchs eine Gesetzesnovelle vorgelegt hat, die sich der Thematik annimmt. Nationalrätin Pascale Bruderer erläuterte die geplante Revision des Strafgesetzbesuches, die «absolut Not» tue. Die neue Strafnorm sehe vor, dass sich strafbar mache, «wer gegen Entgelt sexuelle Dienste von Minderjährigen zwischen 16 und 18 Jahren in Anspruch nimmt». Sie begrüsste das Engagement der reformierten Kirchen in dieser Thematik, «die durchaus auch eine ethische Wertedimension tangiert» und in der sie «kirchliche Denkanstösse und Beiträge an die politische Diskussion als ausserordentlich wertvoll» erachte.

Die ungarische reformierte Kirche setzt sich – auch mit Unterstützung der reformierten Landeskirche Aargau – für eine «Bildung und Vorbereitung der jungen Menschen in Ungarn ein, die sie vor den Gefahren der Prostitution schützt», erklärte Bischof Istvan Szabo weiter.

Die Kirchen arbeiten zusammen
Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen betonte gemäss Mitteilung die internationale Zusammenarbeit der Kirchen: «Bei tiefen Verletzungen der Menschenwürde wie im Menschenhandel und in der Prostitution Minderjähriger genügt eine lokal beschränkte Arbeit niemals.» Bei der Erarbeitung des Präventionsmaterials seien Erfahrungen aus südamerikanischen Kirchen eingeflossen, die Umsetzung werde gemeinsam mit der ungarischen Kirche geplant. In Ungarn sollen zunächst Unterrichtende und Multiplikatoren für die Präventionsarbeit ausgebildet werden. Die Kirchen hätten es aufgrund ihrer gemeinsamen Werte und Grundhaltungen viel einfacher, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten als staatliche Organe.

Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Gottfried Locher, begründete die christlichen Werte, die Haltung und die Ziele, mit denen sich die reformierten Kirchen der Schweiz in Ungarn aber auch in der Schweiz in dieser Thematik engagieren.


Quelle: ref.ch / 30. August 2011


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