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Open Forum Davos 2010: Debatte um religiöses Gewaltpotential
Wipf: Wahrheit eine Suchbewegung, kein Herrschaftsanspruch
„Meine Wahrheit kann nicht die Wahrheit für andere sein. Ich darf sie niemandem aufzwingen, schon gar nicht mit Gewalt“, so Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, gestern während des Open Forum Davos. Ein vom Schweizer Fernsehmoderator Urs Leuthard moderierte sechsköpfiges Panel debattierte die Frage „Führt der Wahrheitsanspruch von Religionen zu Gewalt?“
Wahrheit sei eine Suchbewegung, kein Herrschaftsanspruch, so Wipf weiter, der ausserdem darauf aufmerksam machte, dass die meisten „Religionskriege“ in Wahrheit religiös aufgeladene politische Auseinandersetzungen seien. Dies unterstützte Marcia Pally, Professorin für multikulturelle Studien an der New York University. Menschen seien „sehr begabt darin, Gewalt zu legitimieren. Religion ist dabei nur eine von vielen Begründungen“.
Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK, Olav Fykse Tveit, besuchte das Open Forum Davos am Eröffnungsabend. Tveit zeigte sich beeindruckt von den lebhaften Debatten. Es sei richtig, den Politikern und Wirtschaftsführern nicht das Feld zu überlassen. „Wir Kirchen tun gut daran, das Gespräch zu fördern, schliesslich haben wir konkrete Vorschläge und Standpunkte“, so Tveit: „Wir müssen uns stets vor Augen halten, welche Auswirkungen unser Tun auf die Ärmsten der Welt hat.“
Der SEK hat zum Open Forum Davos eine Sonderausgabe seines Magazins „bulletin“ in neuem Layout veröffentlicht. Die sieben Panelthemen werden in Artikeln und Interviews aus kirchlich-ethischer Perspektive beleuchtet und tragen so die in Davos angestossenen Debatten zu den Leserinnen und Lesern. Das bulletin kann auf www.openforumdavos bestellt, abonniert und heruntergeladen werden.
Die Veranstaltungen des Open Forum Davos sind öffentlich und kostenlos. Sie finden statt in der Aula der Schweizerischen Alpinen Mittelschule, Guggerbachstrasse 3, Davos Platz. Diskussionssprachen sind Deutsch und Englisch (Simultanübersetzung). Nach einer ersten Diskussionsrunde unter den Panelisten ist das Publikum jeweils aufgerufen, sie mit kontroversen Fragen und Positionen herauszufordern.
Das Schweizer Fernsehen DRS überträgt auf dem Kanal SF info einzelne Sessions des Open Forums Davos. Alle Informationen sowie eine ausführliche Berichterstattung sind zudem über die Internetseite www.openforumdavos.ch abrufbar. Dort werden die vollständigen Panels auch per Webcast abrufbar sein.
Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK, Medienmitteilung, Davos, 30. Januar 2010
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