Reformierter Christ neuer Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Der Schweizer Nobelpreisträger Werner Arber ist seit der Gründung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften vor über 400 Jahren ihr erster Präsident, der nicht der Römisch-katholischen Kirche angehört.

Der neue Präsident Werner Arber, emeritierter Ordinarius für Mikrobiologie am Biozentrum der Universität Basel, antwortet im Gespräch mit Radio Vatikan auf die Frage, ob seine Ernennung zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ein ökumenisches Zeichen sei, oder sie rein fachliche Gründe habe.

Arber: „Ich glaube, es ist fachlich begründet. Wir müssen sehen: Es hat mich schon immer beeindruckt, dass diese Akademie seit ihrer Gründung wirklich gut ausgewiesene Naturwissenschaftler aus allen Kontinenten als Mitglieder hat, unabhängig auch vom Glauben, den die Leute haben, und unabhängig auch vom Geschlecht.“

Aber nun ist Rom und der Vatikan so ziemlich das Katholischste, was man sehen kann auf der Welt. Ist das nicht auch eine Spannung für Sie persönlich als reformierter Protestant?

Arber: „Ich muss sagen, dass ich mit meinen Kontakten am Vatikan wirklich vollauf zufrieden bin. Ich habe viel leichter Zugang, über neue Kenntnisse – etwa über biologische Evolution – zu diskutieren als mit vielen protestantischen Kreisen. Also, ich denke da an die evangelikalen Strömungen in den USA zum Beispiel, die ja von Evolution nichts wissen wollen und die alles auf einmalige Schöpfung zurückführen. Ich habe im Vatikan gelernt, dass man dort die Schöpfung als permanenten Prozess ansieht, und das ist eigentlich Evolution. Das finde ich viel spannender – und das Interessante daran ist, dass alle Lebewesen auch Genprodukte mit sich herumtragen, die eben in großen Populationen diese Evolutionen ermöglichen und trotzdem den einzelnen Lebewesen im allgemeinen – mit wenigen Ausnahmen – eine stabile Erbinformation garantieren. Das finde ich ein wunderbares System.“

Und in dieser Akademie fühlen Sie sich also intellektuell und wissenschaftlich gut aufgehoben?

Arber: „Absolut, ja.“ (rv)

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Quelle: Newsletter von Radio Vatikan, 17. Januar 2011


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