Schnelle Links
WGRK
RWB
RWB-Europa
GEKE
reformiert-online
reformiert-info
Thomas Wipf: «Ohne Kirchen vergessen wir, dass wir daran sind, Gott zu vergessen»
Scheidender Ratspräsident der SEK verwahrt sich gegen die Rede von ''leeren Kirchen''
Der scheidende SEK-Ratspräsident verwahrt sich gegen den Begriff leere oder halbleere Kirchen. Er weist darauf hin, dass am Sonntag in den über tausend reformierten Kirchgemeinden der Schweiz durchschnittlich 150000 Menschen den Gottesdienst besuchten. Es sei zudem irreführend, wenn man als Massstab für die Akzeptanz der Kirchen in der Schweiz nur den Besuch des Gottesdienstes nehme.
Das Leben der Kirche sei viel reicher. Die Zeiten, in denen die Menschen fast selbstverständlich am Kirchenleben teilgenommen hätten, seien vorbei. Die reformierte Kirche habe gelernt, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind, angefangen bei den Diensten in Spitälern, Gefängnissen, Schulen, Flughäfen, Bahnhöfen oder Einkaufszentren.
Heute würden viele Menschen nach Begleitung und Unterstützung in bestimmten Zeiten und Übergängen ihres Lebens fragen. Wipf: «Gegen 2,4 Millionen Menschen tragen unsere Kirche als Mitglieder. Sie tun dies in grösserer Nähe oder Distanz, und alle sind für mich gleich wertvoll.»
Wipf bezeichnet die reformierte Kirche als «die schweizerischste, weil sie wenig Zuwachs verzeichnet durch Migration». Der Anteil der Ausländer betrage etwa 3 Prozent. Bei der römisch-katholischen Kirche liege dieser bei gegen 30 Prozent. Die reformierte Kirche teile «das Schicksal der Gesamtgesellschaft, das Schicksal der Überalterung». Er wolle die Probleme nicht verniedlichen. Viele Menschen würden bewusst austreten. Es sei eine Tatsache, «dass die Kirchen kleiner werden und Ressourcenprobleme bekommen». Weltweit würden aber alle christlichen Kirchen stark wachsen.
Die reformierte Kirche in der Schweiz sei darauf angewiesen, dass es auch in Zukunft Menschen gibt, die die Kirche institutionell weitertragen. Denn diese brauche es: «Ohne Kirchen vergessen wir, dass wir daran sind, Gott zu vergessen.» Wenn die Menschen nur noch pragmatisch lebten und nur von wirtschaftlichen Bedürfnissen und politischen Kräften beeinflusst würden, fehle die «Dimension der Frage, woher wir kommen, wozu wir hier sind, wohin wir gehen, was der Sinn des Lebens ist, und wo wir Trost bekommen, wenn wir nicht mehr weitersehen».
Die Kirche nennt Wipf die Gemeinschaft der Menschen, die nach Gott fragen, beten, nachdenken und in ihrem täglichen Leben versuchen, die Liebe und Hoffnung weiterzugeben, die sie selber geschenkt erhalten.
Juden, Christen und Muslime hätten vieles gemeinsam: Sie fragten nach Gott und suchten so Orientierung für ihr Leben. Bedrohlich seien alle Arten von Fundamentalismen sowohl in der Politik wie in den Religionen. Wipf: «Der nüchterne, glaubwürdige reformierte Protestantismus ist da ein gutes Gegenmittel.»
Die politische Mentalität und Kultur in der Schweiz seien stark christlich und reformiert geprägt. Wenn Politiker nicht nur pragmatisch handelten, sondern sich ihres Wertesystems bewusst seien, sei das nur positiv. Aber das Christentum dürfe nicht zu einem Kampfbegriff werden, das wäre ein Missbrauch der Religion.
Quelle: ref.ch am 28.12.2010 >>>
Website of the European Area of the World Communion of Reformed Churches
Internetportal für das Europäische Gebiet der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen