Ungarn: 90 Jahre Trianon – Die Kirche der Karpatenheimat ist ein neuheidnischer Gedenkort

Budapest, 1. Juni 2010. Am 4. Juni 1920 wurde der Vertrag von Trianon unterzeichnet, auf dessen Grundlage Ungarn einen großen Teil seiner Fläche verlor. Viele Ungarn betrachten dies auch heute noch als sehr schmerzlich. Zum 90. Jahrestag von Trianon wurde im nordungarischen Verıce die sogenannte „Kirche der Karpatenheimat“ erbaut, die am 4. Juni 2010 durch Bischöfe aus der katholischen, der reformierten und der evangelisch-lutherischen Kirche eingeweiht werden sollte. Diese betrachten das neue Bauwerk auf Grund seiner Symbolik jedoch nicht als christliche Kirche und nahmen nicht an der Einweihung teil.

Am 1. Juni erschien folgende Mittelung, die in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird: „Wir Unterzeichneten, die regional zuständigen Bischöfe unserer Kirchen, erhielten vor Wochen eine mündliche Einladung zur Einweihung der Kirche der Karpatenheimat. Eine offizielle Einladung haben wir bis zum heutigen Tag nicht erhalten. Es kann sein, dass unsere Namen auf mehreren Foren unter den bei der Festlichkeit Mitwirkenden aufgeführt werden.

Das Anliegen des ungarischen Zusammenhalts – besonders im Bewusstsein des Traumas von Trianon – halten wir für außerordentlich wichtig und von unserer Seite tun wir fortwährend alles für den Erhalt der Gemeinschaft und das Heilen der Wunden. Wir begrüßen mit Freude die Tatsache, dass in Verıce ein Denkmal errichtet wurde, und zollen der Opferbereitschaft vieler Anerkennung. Zugleich verschweigen wir unsere gewichtigen Vorbehalte bezüglich der Symbolik des Gebäudes und der in ihm geplanten Programme nicht. In den sakralen Mittelpunkt einer christlichen Kirche können nicht neben oder statt Jesus Christus heidnische mythologische Figuren gestellt werden.

Obwohl diese Gedankenwelt einen Teil der Geschichte unseres Volkes bildet, gehört all dies noch zur Glaubenswelt vor dem Christentum und ist nicht mit unserem Christusglauben vereinbar. Bereits früher haben wir mehrmals gegenüber der auf bedauerliche Weise überhand nehmenden neuheidnischen Phänomene unser Wort erhoben, die oftmals auch unsere Gläubigen verwirren. Die „Kirche der Karpatenheimat“ in Verıce können wir unsererseits deshalb nur als Gedenkstätte, keinesfalls jedoch als christliche Kirche betrachten. Deshalb können wir zu unserem größten Bedauern an der Einweihung nicht teilnehmen.“

Die Unterzeichner dieses Dokuments sind der römisch-katholische Bischof Dr. Miklós Beer, der reformierte Bischof István Szabó und der lutherische Bischof Dr. Tamás Fabiny.

Quelle:
Deutschsprachiger Nachrichtendienst
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn
2. Jahrgang, 3. Ausgabe
April–Juni 2010
Verantwortlicher Redakteur: Holger Manke (nachrichtendienst@lutheran.hu)
in Zusammenarbeit mit Bischof Dr. Tamás Fabiny und Dr. Klára Tarr-Cselovszky


bs


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