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Ungarn: Inhaftierte sammeln Spende für Haiti - das Scherflein der Witwe heute
Blitzinterview mit Gefängnispfarrer Dr. Lajos Békefy
Über die Geschichte der wunderbaren Inhaftiertenspende fragte die Redaktion von www.reformatus.hu den dortigen Gefängnispfarrer, Pfr. Dr. Lajos Békefy, der Initiator der Sammlung war.
Békefy: Es ist wirklich ein Wunder. Gleich nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti habe ich als internationaler Nachrichtenredakteur der Reformierten Kirche in Ungarn auf den verschiedenen kirchlichen Web-Seiten gesurft und einige Tage darauf entdeckte ich auf der Web-Seite der Presbyterianischen Kirche in den USA (PCUSA) und auf der Web-Seite der Unierten Reformierten Kirche in England zwei Gebete für Haiti. Schnell übersetzte ich sie und veröffentlichte sie auf der Web-Seite der Reformierten Kirche in Ungarn (www.reformatus.hu). Am folgenden Montag berichtete ich über die Gebets-, und Spende Aktion in Chanel RTL in der Morgensendung und las die Gebete vor. Am nächsten Tag hielt ich im Frauengefängnis Pálhalma-Mélykút einen Solidaritätsgottesdienst für die vom Erdbeben-Betroffenen in Haiti. Im Gefängnis kamen Frauen zu mir und erzählten, dass sie die Sendung gesehen und schon eine Spende von 47 inhaftierten Frauen für die Menschen in Haiti gesammelt hatten. Ich war sehr überrascht und Gott dankbar dafür, was Er in den Herzen dieser Frauen gewirkt hatte.
Von wo hatten die Frauen dafür Geld?
Békefy: Das war das nächste Wunder in dieser Geschichte. Die Frauen erhalten ein wenig Geld, wenn sie in der Gefängnisschule lernen, oder arbeiten können, vielleicht auch von zu Hause ein wenig für Verpflegung bekommen. Diese Realisierung von „Pray and Act“ sprach zu mir und vielen über das Scherflein der Witwe, die „von ihrer Armut ihre ganze Habe einlegte, alles, was sie zum Leben hatte” (Mk 12, 4 par Lk 21,4).
Und wie ging es weiter?
Békefy: Das gute Beispiel von inhaftierten Frauen zeigte schenll Wirkung. Sie vervielfältigten das Gebet der PC(USA) und hängten es an vielen Stellen in Unterabteilungen des Zuchthauses aus. Nach ein paar Tagen taten auch die Männer in zwei Männerzuchthäuser dasselbe, fingen an Spenden zu sammeln. Daraufhin sagte mir der Kommandant des Strafvollzugsinstitutes, General János Schmehl: „Herr Pfarrer, das Strafvollzugspersonal macht auch eine Sammlung und der Direktor von Agrospecial GmbH, Herr Hetyei hat versprochen, noch so viel Geld dazuzugeben, wie viel die Inhaftierten und das Personal zusammen gaben”. Das war schon das dritte Wunder. So sind wir zu dem Tag gekommen, als die festliche Übergabe der Sammlung für Haiti den Vertretern des Roten Kreuzes in Ungarn übergeben werden konnte. Ich glaube, dies alles ist auch ein Beweis dafür, dass das Wort des Apostels Paulus auch heute realisierbar ist: „Als die Armen, aber die doch viele reich machen” (2Kor 6,10). Als Pfarrer in diesem Strafvollzugsinstitut bin ich von Herzen Gott dankbar, dass ich diese heutige Wundergeschichte von Frauen und Männer miterleben durfte. Und nur noch eine Zahl: es sind fast 100 Inhaftierte gewesen, die ihr Scherflein gaben. Das ist sehr nachdenkenswert, weil es zeigt, dass aus der Gefängniswelt auch ein gutes, vielleicht auch uns beschämendes oder eben inspirierendes Beispiel kommen kann.
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Am Nachmittag des 2. März' 2010 übernahmen im Rahmen eines Festprogramms die Vertreter des Roten Kreuzes die „Gefangenen-Spende“. Der Chor der Frauen spielte ein kleines Programm vor und die Anwesenden beteten gemeinsam die Gebete von PC(USA) und von URC in England für Haiti. Über das besondere Ereignis informierten die ungarischen Druck-, und elektronischen Medien die Öffentlichkeit. Einige Sendungstitel lauteten: „Doch pulsieren mitgefühlsvolle Herzen in grauen Inhaftiertenanzügen” – „Warme Herzen im Knast” - „Wunderkette im Gefängnis”.
(Nach den Reportagen und Nachrichten auf Web-Seite der Reformierten Kirche in Ungarn, www.reformatus.hu – Recherche und Übersetzung: Dr. Klaudia Békefy-Röhrig).
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