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Bestandsbeschreibung
Chronologische Übersicht nach Sprachen
Systematische Übersicht
Sondersammlungen
 



    Bestandsbeschreibung  
   
Der Altbestand ist im wesentlichen in einem gedruckten Systematischen Katalog erfaßt (1836-1852), 1876 und 1895 erschienen zwei alphabetische Nachträge, allerdings nicht mehr systematisch untergliedert; Die danach erworbenen Zugänge sind nur im Systematischen Zettelkatalog erfaßt. In dem gedruckten Katalog sind Sammelbände nur unzureichend verzeichnet. Auf die zeitraubende Auswertung des gesamten Zettelkataloges wurde verzichtet, da Bestand mit PICA weitgehend erschlossen und recherchierbar sein wird. Die folgende Beschreibung erfolgte anhand des vorliegenden gedruckten Kataloges bis 1895 durch Auszählung und durch summarische Beschreibung der unter 2.16 aufgeführten Einzelsammlungen.

   
    ·22.11.2001 / fas·    



    Chronologische Übersicht nach Sprachen  
   
Bei einem Gesamtbestand von gegenwärtig ca. 52 000 Bdn umfaßt der Altbestand bis 1850 einschließlich der Inkunabeln nach gedrucktem Katalog 6 592 Titel. Hinzu kommen schätzungsweise 10 000 zwischen 1851 und 1900 erschienene Titel, die unberücksichtigt bleiben (s. o. 2.1). Nach überschlägiger Schätzung des Gesamtbestandes sind gegenwärtig (Sept. 1993) ca. 3 400 Drucke des 16. Jhs, 3 200 des 17. und 2 000 Drucke des 18. Jhs vorhanden, bis 1850 ca. 10 000 Drucke.

Die Bibliothek besitzt heute insgesamt 75 Inkunabeln. Aus der ersten Hälfte des 16. Jhs stammen nach gedrucktem Katalog (!) 1 036, aus der zweiten Hälfte 1 654 Werke. Auf das 17. Jh entfallen insgesamt 2 616 Titel, wobei der Schwerpunkt mit 2 407 Titeln auf der ersten Hälfte liegt. 884 Werke sind im 18. Jh erschienen, davon 601 in der zweiten Hälfte. Aus der Zeit zwischen 1801 und 1850 liegen 352 Titel vor.

Eine Auswertung des Bestandes nach Sprachen ist noch nicht erfolgt. Der hohe Anteil lateinischer Drucke versteht sich von selbst. Besonders hingewiesen sei aber auf den größeren Bestand an Literatur in niederländischer Sprache vom 16. bis 20. Jh. Daneben sind deutschsprachige bzw. niederdeutsche Drucke vorhanden.


   
    ·22.aa.2001 / fas·    



    Systematische Übersicht  
   
Der Katalog von 1836 bis 1852 verzeichnet die Bücher in fünf Gruppen: Theologie, Jurisprudenz, Geschichte, Philosophie, Philologie, wobei nur die Theologie und Jurisprudenz in weitere systematische Untergruppen gegliedert sind. Alle Gruppen sind nach den Formaten Folio, Quarto, Oktavo unterteilt. Die Einteilung in fünf Gruppen blieb noch bis etwa 1930 maßgeblich. Größere Bibliothekszuwächse werden heute gesondert aufgestellt; die neue theologische Abteilung ist nach Sachuntergruppen geordnet.

Die ältesten der 75 Inkunabeln sind: Leo I., Sermones, Rom : Konrad Sweynheym u. Arnold Pannartz, 1470 und Pius II., Epistola ad Mahumetum, Köln : Ulrich Zell, um 1470. Auf Theologie entfallen 37 Inkunabeln, auf Philosophie/Philologie 19, auf Jurisprudenz 11 und auf Historie 8. Druckorte sind Basel (13 Drucke), Venedig (12), Köln und Straßburg (je 10), Deventer und Nürnberg (je 3), Alst, Löwen, Paris, Utrecht (je 2), Antwerpen, Augsburg, Brescia, Delft, Erfurt, Gent, Gouda, Heidelberg, Lyon, Magdeburg, Mainz, Neapel, Reggio, Rom, Speyer (je 1). Mit 13 von 75 ist der Anteil niederländischer Inkunabeln relativ hoch. An niederländischen Postinkunabeln (bis 1540) bietet der Bestand ca. 80 Drucke.

Die Abteilung Theologie umfaßt (nach Katalog) 2416 Drucke, u. a. Bibelausgaben 97 Bde, Exegetische Theologie 276 Bde, Historische Theologie 203 Bde, Kirchenväter und Gesamtausgaben 186 Bde, Systematische Theologie 505 Bde, Pastoraltheologie 197 Bde. Der Schwerpunkt der theologischen Literatur liegt mit 1211 bzw. 682 Titeln auf dem 16. Jh und der ersten Hälfte des 17. Jhs. Auf die zweite Hälfte des 17. und die erste Hälfte des 18. Jhs entfallen lediglich 82 bzw. 90 Titel. Die Zeiträume 1751 bis 1800 und 1801 bis 1850 umfassen 167 und 184 Titel. Die Emder Bibliothek führt einen reichhaltigen Bestand zur Reformationsgeschichte Nordwestdeutschlands, natürlich Ostfrieslands und der Niederlande. Die Schriften zum Kölner Reformationsversuch unter Hermann von Wied und zum 2. Abendmahlsstreit sind durch die beiden dort beteiligten Hardenberg und Medmann vorhanden. Für Bremen fällt u. a. neben der sehr seltenen Kirchenordnung von 1534 eine weitere, sonst nicht nachzuweisende Schrift heraus: Joh. Busmann, Commendatio civitatis Bremensis gubernatione reipublica, conservatione verbi Dei et scholae constitutione, Hannover 1545. Ostfriesland stand schon in den späten 20iger Jahren des 16. Jhs im Blickpunkt der Oberdeutschen wie der Wittenberger Reformation und geriet ab der Jahrhundertmitte verstärkt unter ndl. Einfluß. Im Bestand dominiert zwar insgesamt die Literatur des reformierten Protestantismus, aber auch Luther, Melanchthon und Brenz u. a. sind beachtlich vertreten. Luther mit ca. 125 Drucken des 16. Jhs beginnend mit Debitum vobis sermonem, 1518, und Melanchthon mit ca. 130 Drucken, davon zuerst die Loci communes, 1521. Ein wertvolles Dokument des verdeckten Nachdrucks reformatorischer Schriften in Antwerpen ist Luthers Adversus execrabilem antichristi bullam, ein nur in diesem Exemplar nachgewiesener Druck von Michiel H. van Hoogstraten von 1520. Calvin ist mit 40 Ausgaben des 16. Jhs vertreten, darunter die Epistolae duae, 1537, der sehr frühe Baseler Katechismus von 1538 und der in Straßburg gedruckte und den Predigern Ostfrieslands gewidmete von 1545, die Institutio (1539, 1559 u. ö.) und seine Defensio orthodoxae fidei contra M. Servet von 1554. Die klassische Genfer Psalmenbereimung von Beza und Marot ist in mehreren Ausgaben des ersten Druckjahres 1563 und in zahlreichen späteren vorhanden, dazu die deutschen Lobwasser-Bereisungen ab Straßburg 1586. Eine große Rarität ist der Erstdruck der Genfer vierstimmigen David-Tragödie von Louis des Masures 1566. Über Johannes a Lasco u. a. gibt es Berührung mit der englischen und polnischen Reformationsgeschichte, was sich auch an seltenen Drucken ablesen läßt: die Disputatio de trinitate von Franc. Stancarum, 1551, oder a Lascos Epistulae tres ad regem Poloniae. Seine Schriften gegen den Täufer Menno Simon, Bonn 1545 und gegen den Lutheraner Westphal, 1560, markieren auch ostfriesische Reformationsgeschichte. Das klassische Lehrdokument der Reformierten, der Heidelberger Katechismus, erscheint im sehr seltenen lateinischen Erstdruck 1563. In zwei sehr seltenen Schriften des Spaniers J. L. Vives fokussiert Emdens Geschichte im 16. Jh: De subventione pauperum, Brügge, Croock 1526 und De Europae dissidiis et republica, 1526. Die Emder Drucke des 16. Jhs sind vornehmlich für den ndl. bzw. englischen Markt bestimmt gewesen und daher vor Ort nur unzureichend anzutreffen. Emder ndl. Bibel(teil)drucke ab 1554, die Deux-Aes-Bibel 1562 u. 1564/65 oder die Defensio doctrinae des englischen Erzbischofs Thomas Cranmer, Emden 1557. Folgende ältere Autoren sind noch zu nennen: Th. Beza (35 Drucke bis 1600, darunter De haereticis a civili Magistratu puniendis, 1554), H. Bullinger (30 Dr. bis 1600), U. Zwingli (10 Dr. bis 1600, darunter die Gesamtausgabe 1530 und die Philipperbriefvorlesung, von A. Karlstadt hrsg. mit der Widmung an den ostfries. Junker Ulrich von Dornum 1531), M. Bucer (19 Dr. bis 1600) J. Oekolampadius (14 Dr.), Matth. Martinius (35 Dr.), Joh. von Münster (8 Dr.), Chr. Pezelius (23 Dr.), A. Scultetus (23 Dr., die Medulla theologiae patrum, Neustadt 1605, in einem Einband für J. Aug. de Thou), J. Piscator (22 Dr.). Die Dominanz der reformierten Literatur läßt sich auch an den Druckorten ablesen: Neben den oberdeutschen Städte Straßburg, Basel, Zürich sind es v.a. Heidelberg, Neustadt, Herborn, Frankfurt, Hanau, natürlich Genf und später die ndl. Druckorte. Erasmus von Rotterdam ist in der Baseler Gesamtausgabe von 1538-40 und der Leidener 1703-06 zu finden, sowie in fast 80 Drucken des 16. Jhs, beginnend mit einem seiner ersten Texte in G. Hermannus, Sylua odarum, Paris 1497.

Die Jurisprudenz umfaßt insgesamt 1712 Drucke, u. a. Römisches Recht 256 Bde, Germanisches und Fremdes Recht 93 Bde, Völker- und Staatsrecht 61 Bde, Kirchenrecht 50 Bde, Lehnsrecht 44 Bde, Kriminalrecht 44 Bde, Prozeßrecht und Anweisung für Juristen 202 Bde, Philosophie des Rechts 24 Bde, Kameral- und Polizeirecht 9 Bde, Enzyclopädien und Kompendien 74 Bde, "Opera omnia" 36 Bde, Rechtsfälle und Gutachten 174 Bde, Abhandlungen und Dissertationen 285 Bde. Hier liegt der Schwerpunkt insgesamt bei den Werken aus der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jhs (591 bzw. 854 Titel). Auf die Jahre 1500 bis 1550 entfallen 106 Titel, die restlichen Titel verteilen sich gleichmäßig mit jeweils ca. 50 Titeln auf den Zeitraum von 1651 bis 1800. Die erste Hälfte des 19. Jhs umfaßt lediglich 9 Titel. Das Corpus Iuris civilis ist u. a. in den venetianischen Großfoliodrucken ab 1494 von Georgius Arrivabenus, Bernadinus Stagninus und Baptista de Tortis vorhanden, als 5-bändige Pariser Ausgabe (1528-31) oder Antwerpener von 1576 bis zur großen Lyoner Ausgabe von 1612 mit dem Corpus juris canonici in 9 Bdn. Das Dekretum Gratiani im Straßburger Grüninger-Druck von 1484, Guidos Casus longi super institutis, Straßburg Georg Husner 1496 oder die dort ebenfalls erschienenen Ausgaben von Helias Regnierus bzw. Bernardus Parmensis 1496 u. 1498. Die Dekretales cum glosa Gregor IX. in der durch Sebastian Brandt bei Amerbach in Basel besorgten Ausgabe von 1500 ist wahrscheinlich in Emden gebunden und gebraucht worden. Unter J. Goblers Schriften sind der illustr. Der Rechten Spiegel von 1558 und als ndl. Ausgabe von 1560. Das juristischen Instrumentarium einer mit den Niederlanden eng verbundenen Seehafenstadt zeigen u. a. Sammlungen von ndl. Placaten, die consuetudines Burgundiae, 1616, Meurers Wasserrecht des Rheinstroms, 1570, 't Boek der Zeerechten, 1637, v. Zutphen Practijk der nederlandse rechten, 1645, H. de Groots Inleydinge und seine Vrije Zeevaert, 1636, Merulas Einführung in ndl. Prozeßrecht, 1592, Decisiones curiae Hollandiae und diverse Consultatien en advyzen. Die 9-bändige Oktav-Ausgabe des Corpus Iuris von L. Russardus, Antwerpen Plantin 1567, wurde insgesamt von Georg Harder in Marburg eingebunden und erlaubt die Zuweisung zweier seltener Platten an diesen Buchbinder (s.u. 2.19) . Noch heute ist eine kleine Reihe von Portraits (Öl auf Holz) vorhanden, die ursprünglich zur Bibliothek Crumminga gehört haben muß, Juristen und Philologen, die allesamt mit ihren Schriften gut vertreten sind: J. Althusius, J. Cuiacius, H. Donellus, F Duarenus, A. Tiraquellus, H. Vultejus. J. Lipsius und J. J. Scaliger. Weiterhin sind überdurchschnittlich gut repräsentiert: A. Alciatus, Franc. Balduinus, C. Besold, H. Bocerus, J. Borcholten, A. Matthaeus, T. Manlius, J. Ostendorpius, N. Vigelius und M. Wesenbecius. Da der größte Teil der juristischen Abteilung auf den Stadtsyndicus Crumminga zurückgeht und vor diesen auf weitere ostfriesische Vorbesitzer, gibt der Bestand einen sehr guten Einblick in die hier bevorzugte Literatur. Gesammelte Dissertationen ostfriesischer Juristen oder die Schriften des Hermann Conring unterstreichen den regionalen Bezug auch dieser Abteilung.

Die Geschichte umfaßt insgesamt 1120 Titel. 53 gehören in die erste Hälfte, 152 in die zweite Hälfte des 16. Jhs. Mit 348 Titeln liegt der Schwerpunkt auf dem Zeitraum von 1601 bis 1650. Aus der zweiten Hälfte des 17. Jhs stammen lediglich 40 Titel. Literatur des 18. Jhs macht 441 Titel aus, wobei 304 Titel aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs stammen. Aus der ersten Hälfte des 19. Jhs liegen 86 Titel vor. Die lange Einbindung Ostfrieslands und besonders Emdens in den niederländischen Kulturraum erklärt den hohen Anteil an niederländischen Drucken und Werken zur niederländischen Kultur und Geschichte - eine Linie, die sich auch durch die Nachlässe des 19. und 20. Jhs bis heute hin durchzieht. Rolewincks Fascilus temporum liegt daher vor in dem Utrechter Druck von Johann Veldener von 1480. Sleidans De statu religionis ist im Straßburger Foliodruck von 1555 vorhanden als Geschenk der ostfriesischen Grafensöhne an den Oldenburger Grafen, der es später an Hardenberg weitergab, sowie in der seltenen niederländische Übersetzung von Wouter Deleen, die 1558 bei Mierdmann und Gaillart in Emden erschien. Aus dem niederländischen Freiheitskrieg sind zahlreiche Flugschriften erhalten, u. a. die Smeekschrift der Edelen, Vianen 1566 und Wilhelm von Oraniens Apologie, Leiden 1581 in ndl. und frz. Ausgabe. Auch die späteren ndl. Werke E. van Meterens u. L. van Aitzema, ndl. Atlanten von Mercator, Chatelain, Ottens bis zu C. van der Aa's Atlas van de zeehavens der bataafsche republiek, Amsterdam 1805, die 21 Bde der 1747-67 compilierten zee- en landtogten, die zum großen Teil auch in den Originalausgaben des 17. Jahrhunderts vorliegen, die sehr seltene Specimen Islandiae von A. Jona, Amsterdam 1643, Niebuhrs Reize naar Arabien und umfangreiche Literatur auch des 19. Jhs zum Friesisch/Groninger Raum sind Reflex der geschichtlichen Einbindung Emdens. Auf den großen Bestand landesgeschichtlicher Literatur ist bereits hingewiesen worden (s. 1.5 u. 2.17) . Die großen, heute bibliophilen und wertvollen Klassiker der Geschichtsschreibung wie Schedel, Breydenbach, Münster u. a. aus der Sammlung Janssen ergänzen die bereits vorhanden von Seb. Franck und A. Krantz, wie auch die schon vorhandene historische Reiseliteratur durch Janssen eine vortreffliche Ergänzung erfahren hat.

Die Philosophie stellt mit 829 Titeln ein kleineres Sammelgebiet dar. Auf das 16. Jh entfallen 263 Titel (zu je etwa 50 Prozent aus der ersten bzw. zweiten Jahrhunderthälfte). Der Schwerpunkt liegt mit 390 Titeln auf der ersten Hälfte des 17. Jhs, auf die übrigen Zeiträume kommen zwischen 12 und 77 Werke. Boethius, De consolatione philosophiae begegnet in dem großen ndl.-lat. Paralleldruck von Arend de Keyser, Gent 1485 sowie in D. V. Coornherts Übersetzung, Leiden 1585. Aristoteles, Secreta secretorum, Antwerpen 1491 oder G. Burlaeus, De vita et moribus philosophorum als Löwener Druck 1477-83 von Joh. de Westfalia. Autoren wie Joh. H. Alsted, P. Ramus, R. Agricola, L. Danaeus. O. Casmann, Th. Erastus, natürlich Erasmus von Rotterdam und Melanchthon, R. Goclenius, Polanus a Polansdorf, J. Vives und B. Keckermann stehen für die Rezeption der humanistischen Tradition im reformierten Protestantismus. Die politische Philosophie umfaßt zahlreiche Schriften, neben den schon Genannten auch von Hobbes, Molinaeus, Zepper, Condit, Lipsius, Besold, Morus, Martinus, Weller, Grimalius u. a. Petrarcas De remediis utriusque fortunae ist als Heidelberger Inkunabel von um 1490, mit den Holzschnitten des Petrarcameisters von 1581 und 1620 und im Lüneburger Oktavdruck 1637 vorhanden. Die größte Nachfrage bis in den internationalen Leihverkehr erfuhr bislang die Anthologie von K. W. Bindewald, Deutschlands Dichterinnen, Bluethen deutscher Frauenpoesie, um 1895

Bei der Philologie handelt es sich insgesamt um 465 Titel. Dabei ist auffallend, daß das 16. Jh und die erste Hälfte des 17. Jhs allein 447 Titel (96 Prozent) umfassen. Auch hier zeigt sich der ndl. Einfluß durch die Elegantiarum viginti praecepta, Deventer 1494 oder in einem Sammelband mit H. Torrentinus, In grammatices primam partem commentaria, Deventer Paffraet 1521; die Synthaxis von J. Custos Brechtanus, Antwerpen Michael H. van Hoogstraten 1521 und dessen Declinationes nominum von 1522; P. J. Murmellius, Variarum rerum dictiones latine, Antwerpen G. Vorstermann 1522.


   
    · 22.8.2001 / fas ·    



    Sondersammlungen  
   


Bibliothek Hardenberg

Der niederländische Theologe Albert Rizäus Hardenberg (1510-1574) studierte nach der Ausbildung im Bruderhaus Groningen in Löwen (1529-1538), bis er zur protestantischen Seite wechselte. In Frankfurt trat er 1538/39 in eine dauernde Verbindung zu Johannes a Lasco, schloß in Wittenberg Freundschaft mit Melanchthon und nahm dann am Reformationsversuch Hermann von Wieds in Köln teil, dessen große Reformationsschrift er lateinisch herausgab. Von Köln hielt er Verbindung zu oberdeutschen Reformatoren um Bullinger u. a. Von 1547 bis 1561 war er Domprediger in Bremen. Im dort ausgetragenen 2. Abendmahlsstreit unterlag er, wurde ausgewiesen und nach einigen Jahren beim Oldenburger Grafen wurde er 1567 Prediger an der Großen Kirche in Emden, wo er 1574 starb. Seine Bibliothek zählte insgesamt 526 Titel und 16 Hss.: Theologie 396, Jurisprudenz 8, Geschichte 8, Philosophie 43, Philologie 71~ z. T. mit ausführlichen Marginalien. Darunter finden sich bedeutende Einzelstücke: 2 Bücher (von 3 in Emden vorhandenen) aus der Bibliothek des Erasmus von Rotterdam, über den Zwischenbesitz von Johannes a Lasco, der dessen Sammlung aufgekauft hatte, darunter J. Reuchlins De verbo mirifico, Tübingen 1514 als Geschenk Reuchlins an Erasmus mit dessen Besitzeintrag und dem von Hardenberg, der das Buch von a Lasco bekommen hatte. Aus dem Besitz des ndl. Humanisten Rudolf Agricola und dem Kloster Aduard stammt die Pharsalia von Marcus A. Lucanus in dem Löwener Druck von Johann Veldener 1475-76. Weiter eine Vielzahl durch Provenienz- oder Widmungseinträge ausgezeichnete Drucke, die die weitgespannten Verbindungen Hardenbergs dokumentieren: Philipp Melanchthon, J. a Lasco, M. Bucer, J. Brenz, H. Bullinger, P. Martyr Vermigli, Johannes Sturm, David Chytraeus, F. Enzinas (Dryander), A. Blarer, P. Eber, Gualther, Th. Beza, H. von Wied u. a. Viele der frühen Reformationsdrucke (s.2.7) sind über Hardenberg der Emder Bibliothek zugeflossen. Manche Bücher sind mit Kaufeinträgen versehen. Die erhaltenen Einbände stammen, seinen Lebensstationen entsprechend, vor allem aus Flandern, Groningen, Köln, Bonn und Bremen. Die ndl. Souter liedekens besaß er im ersten Antwerpener Druck von 1540. Von Wessel Gansfort las er u. a. De causis incarnationis in Corvers Zwoller Druck von 1521. Und die ihm vertraute Tradition der devotio moderna ist u. a. vertreten durch den Traktat Thomas a Kempis "Soliloquium animae" in der sehr frühen Utrechter Inkunabel von 1474 von Nicolaus Ketelaer und Gerardus de Leempt. Die Reformationsdrucke spiegeln natürlich seine Zeit in Köln und Bremen, darüber hinaus kommen andere wertvolle Bände aus seinem Besitz, wie ein kolorierter Ptolomäus-Atlas in der Straßburger Ausgabe von 1525.

Bibliothek Medmann

Petrus Medmann (Köln 1507 - Emden 1584) war nach einem Studium in Köln und Wittenberg Erzieher der Grafensöhne Johann von Wied und ab 1536 in Diensten des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied. Er trat 1539 in Verbindung zu Martin Bucer, Melanchthon u. a., lernte Hardenberg kennen, der inzwischen ebenfalls bei von Wied mitarbeitete. Nach dem Scheitern des Reformationsversuches in Köln war er ab 1548 wieder Erzieher, nun der ostfriesischen Grafensöhne, und von 1553 bis 1584 erster Bürgermeister der Stadt Emden. Medmann war zwar theologisch gebildet, aber sein primäres Aktionsfeld blieb die Politik. Mindestens 113 Drucke zählt der erhaltene Buchbestand: Theologie 70, Geschichte 27, Philosophie und Philologie je 8. Die Bibliothek ist nicht umfangreich, aber wichtig als "profanes" Pendant zur Bibliothek des Theologen Hardenberg, interessant durch zahllose Glossen von der Hand Medmanns, durch Kaufeinträge sowie durch Bucheinbände vor allem aus Köln und Emden. Mit dem Kölner Buchdrucker und Händler Arnold Birckmann muß er gut bekannt gewesen sein, wie ein Widmungseintrag zeigt. Bucer widmete ihm mehrere seiner Bücher. Die ndl. Flüchtlingsgemeinde aus London unter a Lasco hatte sich in Emden eingefunden, auch einige Engländer waren dabei. Medmann informierte sich in der von Pollanus besorgten "Vera Expositio disputationis institutae mandato D. Mariae Reginae in Synodo Ecclesiastica, Londini" von 1554. Auch in seinem politischen Amt bleibt er an der kirchlichen Kontroversen interessiert. Als Bürgermeister liest er den berühmten anonymen Traktat des Toleranzgedankens von 1554 "De haereticis an sint persequendi" und notiert die zutreffende Vermutung: "Sunt qui affirmare audent hunc librum a Sebastiano Castalione collectum esse ..." und verweist auf Bezas Entgegnung.

Bibliothek Salmuth

Friedrich Salmuth (1592-1625) wurde als Sohn des Dresdener Hofpredigers Johann Salmuth geboren. Sein Studium absolvierte er in Amberg, Heidelberg und Marburg, wurde dann Prediger in der Pfalz bis zu deren Rekatholisierung, war von 1621 bis 1625 Prediger in Emden. Von seiner nachgelassenen Bibliothek ist ein hschr. Verzeichnis erhalten, das 620 Nummern, nach den Formaten Folio, Quart, Oktav geordnet, auflistet. (s. u. 3.3). Die Bücher stammen z. T. noch aus väterlichem oder großväterlichem Vorbesitz. Es handelt sich um Werke aus den Bereichen Theologie, Antike Schriftsteller und Historiographie, Gesamtausgaben von Zanchius, Ursinus, Junius, Melanchthon, Bucers scripta anglicana, Basel 1577, Bibelkommentare v.a. von W. Musculus, H. Bullinger und Gualther, die Schriften des Heidelberger und dann Emder Theologen Abraham Scultetus, ein Sammelband mit 3 Schriften des Nassauischen Rats und Vice-Hofrichters Joh. von Münster (Apologia christiana, Canis latrans, Brevis responsio, 1619-1621), ein Band mit vergoldeten Supralibros des Autors, sowie T. Heßhusens Psalmenkommentar, Helmstedt 1586, aus dessen Besitz. Calvins Institutio in seltener erster deutscher Fassung als Unterweisung in christlicher Religion, Heidelberg, 1572. Aber auch Seb. Münsters Cosmographie von 1598, G. Agricolas Berkwerkbuch und De mensuris et ponderibus und die große illustrierte Historica narratio profectionis et inaugurationis Alberti et Isabellae, Antwerpen 1602 hat Salmuth eingebracht.

Bibliothek Crumminga

Der spätere Dr. jur. Geldericus Crumminga (1590-1655) besuchte die Lateinschule in Emden und Bremen, studierte in Helmstedt, Marburg und Basel, war ab 1619 als Jurist in Emden tätig, ab 1626 als erster Landsyndikus der Stände und ab 1638 bis zu seinem Tod als Syndicus der Stadt Emden, darin Nachfolger von Johannes Althusius. Anstatt der bisher angenommenen 72 Bücher (Ritter) geht vielmehr der größere Teil des Altbestandes der Kirchenbibliothek auf Crumminga zurück. Der Katalog von 1674 gilt bisher als der älteste deutsche gedruckte Bibliothekskatalog einer Privatsammlung. Eine eingehende Untersuchung steht noch aus, der weitaus größere Teil der Sammlung Crumminga dürfte aber heute noch erhalten sein. Crumminga hat nicht nur laufende Neuerwerbungen für die juristischen Alltagsgeschäfte getätigt. Er muß auch gezielt private Buchbestände aufgekauft haben, so die der gräflichen oder städtischen Beamten Alricus Slüter und Caspar Moller. Eine Vielzahl seiner Bücher trägt Besitzvermerke früherer Emder Bürger und Beamte. Nach dem Katalog von 1674 (nach Raabe) können bisher folgende Angaben gemacht werden: Von den 4260 Titeln fallen 1606 auf die Juridica (davon 1515 lateinisch, 91 deutsch oder holländisch); auf die Theologica 752 (556/196); auf die Politica 587 (359/228); auf die Philologica 523 (443/80); auf die Historica 352 (271/81); auf die Philosophica 252 (201/51); auf die Geographica 102 (64/38); auf die Medica 86 (64/22). Insgesamt sind also 3473 lateinische und 787 deutsche oder holländische Drucke vorhanden. Weitere systematische Unterteilungen sind erst nach detaillierter Gegenkontrolle zwischen Katalog und erhaltenem Buchbestand angebracht. Aus dem Amsterdamer Karthäuserkloster stammt ein Sammelband mit Inkunabeln, darunter die "Historia septem sapientium Romae" des Gerard Leeu, Gouda 1480-82. Die juristische Abteilung geht zum großen Teil auf ihn zurück. Er sammelte aber auch Reformationsdrucke, Ostfrisica, Literarisches und Sprachkritisches wie die Newe außgeputzte Sprachposaune An die Unartigen Teutscher Sprach-Verderber, 1648.

Gesangbuchsammlung Goemann

Der ostfriesiche Pastor Jasper Goemann (1847-1919), der auf dem Gebiet der Hymnologie arbeitete, hinterließ neben seiner Handbibliothek für Kirchenmusikgeschichte und einzelnen Drucken des 15. und 16. Jhs eine Gesangbuchsammlung von insgesamt 452 Gesangbüchern des 17. bis 19. Jhs, darunter Eucharius Zinckeisens große Ausgabe der Kirchengesaeng, 1584, J. Crügers, Psalmodia sacra, 1658, J. Neanders Bundeslieder, Bremen 1683, die 1570er Kirchenordnung von Zweibrücken Pfalz-Neuburg, J. Taulers niederdeutsche Predigten, 1521, Geiler von Keisersberg Christliche Pilgerschaft, 1512 und ein lat. Bibelausgabe, Basel, Kesler 1491.

Bibliothek Ritter

Dr. Friedrich Nathanael Ritter (1856-1944) war Gymnasialprofessor, über Jahrzehnte Vorstandsmitglied der Emder Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer und führender Historiker der landesgeschichtlichen Forschung in Ostfriesland. Seine größtenteils erhaltene Bibliothek von 2136 Bdn enthält Literatur zur Geschichte Ostfrieslands und der Niederlande. Der Schwerpunkt liegt im 16. Jh bei Werken des Humanismus und er Reformation. Es handelt sich um Quellenausgaben, Reihen, Zeitschriften, Monographien und Kleinliteratur, Bibliographien, Auktions- und Antiquariatskatalogen, sowie für die ostfriesische Geschichte wichtige seltene alte Literatur: diverse Emder Drucke des 16. Jhs sowie Schriften von Rudolf Agricola (Opuscula, 1518, Dialectica, 1539, Lucubrationes 1539), Hermann Hamelmann (De Traditionibus apostolicis veris ac falsis, 1555), des Bremer Christoph Pezelius (Etliche gruende, 1588, Kurtze Resolution 1588) u. a. Es handelt sich um 8 Drucke bis 1550, 30 Drucke bis 1600, 33 bis 1650, 38 bis 1700, 94 bis 1750, 46 bis 1800, 129 bis 1850, 709 bis 1900, 1049 bis 1944. Knapp zwei Drittel der Bibliothek besteht aus deutschsprachiger Literatur (1260 Titel), daneben sind 703 niederländische Drucke, 64 französische, 100 lateinische sowie 9 anderssprachige vorhanden. Über Ritter ist das Exemplar des ndl. Neuen Testaments erhalten, dessen Druck M. Jacobszoon in Lübeck begonnen und das W. Gaillart 1554 in Emden abgeschlossen hat. Als Emder Druck von 1567 besaß Ritter ebenfalls die erste ndl. Übersetzung der Apokalypse-Auslegung von H. Bullinger.

Bibliothek Janssen

Der aus Emden gebürtige Bonner Kaufmann Johann Philipp Janssen (1917-1993) übereignete seine bibliophile Sammlung erst jüngst, 1992, der Emder Kirchenbibliothek: eine alle klassischen Wissenschaftsgebiete berücksichtigende Privatbibliothek mit deutlichen Schwerpunkten bei den Werken zur Geschichte u. Geographie (Reisebeschreibungen) und der Theologie (v.a. Reformationsdrucke). Mit 18 Inkunabeln, ca. 300 Drucken des 16. Jhs, je 450 des 17. und 18. Jhs sowie 600 des 19. und 20. Jhs inclusive einiger Pressendrucke und Handschriften wird v.a. der Emder Altbuchbestand weiter ausgebaut. Durch Maximilians Theuerdank von 1519 wird überdies ein Kriegsverlust wieder ergänzt. Janssen erwarb klassische Geschichtswerke wie die Kölner Chronik von Koelhoff, 1499, Schedels Chronik in der lat. Erstausgabe 1493, das Supplementum chronicarum von Bergomensis, Venedig 1486, Olaus Magnus, Historia de gentibus, Rom 1555, Johannes Stumff große Schweizer Chronik von 1548, Hamelmanns Oldenburgisch Chronicon, 1599 u. a., ebenso große Reisewerke wie die illustrierte Peregrinatio in terram sanctam von Bernhard von Breydenbach, Mainz 1486, Theodor Bry's Beschreibung der Wilden in Virginia, 1590-97, Nicolas de Nicolai illustrierte Reise in die Türkei, 1572, B. Bordones Insel-Beschreibungen, Venedig, Manitius 1547, bis hin zu den großen niederländischen Unternehmungen des 17. Jhs durch Nieuhof, van Linschoten, Hulsius, Lodewijcksz u. a. Medizingeschichte in klassischen Werken (Vesalius, Ryff Valverdo, Paracelsus). Confalonerus, De vini natura, 1535 und die Erstausgabe der Opera von B. Scappi, des Geheimkochs Pius V. begründen eine interessante Reihe von Koch- und Kräuterbüchern. Die Theologie tritt u. a. mit dem Missale Hildensemense, 1499, den Sermones von L. M. de Utino, 1473, Den Statuta ordinis cartusiensis, 1510, Luthers Bereytung zum Sterben und über 30 weiteren Lutherdrucken sowie mit der Holzschnittfolge von Urs Graf in M. Ringmanns Passion, 1510, auf. Technik und Handwerk, Militärgeschichte, Preußica neben Erstausgaben deutscher Dichtung und großen Klassikern wie Dantes Comedia, Brescia 1487, S. Brandts Stultifera navis, Basel 1497 u. a. m. zeigen eine breit angelegte und sicher nicht untypische bibliophile Sammlung des 20. Jhs.

Einbände

Wurde auch um 1800 ein Teil des Buchbestandes neu gebunden (und beschnitten), so hat sich doch ein wertvoller Fundus historischer Bucheinbände des 15. und 16. Jhs erhalten: Klostereinbände aus Antwerpen, Löwen, Bremen, Niederrhein, Emden (dazu Schunke, s. u. 5) und vor allem mitteldeutsche aus Braunschweig, Dresden, Leipzig, Wittenberg über den Theologen Salmuth. Es finden sich Kölner Rollen- und Plattenpressungseinbände der Meister H. B. A., H. B., W. L., I. W., I. V: B., R. V. sowie unterzeichnete vor allem aus den Beständen Medmann und Hardenberg, die beide beim Kölner Reformationsversuch mitwirkten, von beiden auch Bonner Einbände (W. L., p. t. vergoldete Portraitplatten von Erasmus und Melanchthon). Bei Hardenberg handelt es sich u. a. um Bremer Einbände sowie niederländische aus Antwerpen, Löwen, Utrecht, Zwolle, Groningen. Noch nicht näher untersucht und präzise abgrenzbar sind die Emder Einbände. Sicher ist eine reformierte Rolle mit den Köpfen von Zwingli, Beza, Calvin, daneben eine Tugendrolle, eine "NP"-Rolle, sowie ornamentale Rollen und Platten. Weitere 12 Einbände des Stechers NP sind vorhanden. Bände aus Rostock, Leipzig, Frankfurt, Straßburg, Marburg (2 von A. Schmidt nicht genannte Platten des Georg Harder) sind vorhanden. Außerdem liegen 2 Bde mit der blindgepreßten Druckermarke des Matthias Harnisch und ein vergoldeter Krakauer Einband von 1527 für Johannes a Lasco vor.


   
    · 22.8.2001 / fas ·    

 

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