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Bestandsbeschreibung |
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Der Altbestand ist im wesentlichen in einem gedruckten Systematischen
Katalog erfaßt (1836-1852), 1876 und 1895 erschienen zwei alphabetische
Nachträge, allerdings nicht mehr systematisch untergliedert;
Die danach erworbenen Zugänge sind nur im Systematischen Zettelkatalog
erfaßt. In dem gedruckten Katalog sind Sammelbände nur
unzureichend verzeichnet. Auf die zeitraubende Auswertung des gesamten
Zettelkataloges wurde verzichtet, da Bestand mit PICA weitgehend erschlossen
und recherchierbar sein wird. Die folgende Beschreibung erfolgte anhand
des vorliegenden gedruckten Kataloges bis 1895 durch Auszählung
und durch summarische Beschreibung der unter 2.16 aufgeführten
Einzelsammlungen.
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·22.11.2001 / fas· |
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Systematische Übersicht |
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Der Katalog von 1836 bis 1852 verzeichnet die Bücher in fünf
Gruppen: Theologie, Jurisprudenz, Geschichte, Philosophie, Philologie,
wobei nur die Theologie und Jurisprudenz in weitere systematische
Untergruppen gegliedert sind. Alle Gruppen sind nach den Formaten
Folio, Quarto, Oktavo unterteilt. Die Einteilung in fünf Gruppen
blieb noch bis etwa 1930 maßgeblich. Größere Bibliothekszuwächse
werden heute gesondert aufgestellt; die neue theologische Abteilung
ist nach Sachuntergruppen geordnet.
Die ältesten der 75 Inkunabeln sind: Leo I., Sermones, Rom
: Konrad Sweynheym u. Arnold Pannartz, 1470 und Pius II., Epistola
ad Mahumetum, Köln : Ulrich Zell, um 1470. Auf Theologie entfallen
37 Inkunabeln, auf Philosophie/Philologie 19, auf Jurisprudenz 11
und auf Historie 8. Druckorte sind Basel (13 Drucke), Venedig (12),
Köln und Straßburg (je 10), Deventer und Nürnberg
(je 3), Alst, Löwen, Paris, Utrecht (je 2), Antwerpen, Augsburg,
Brescia, Delft, Erfurt, Gent, Gouda, Heidelberg, Lyon, Magdeburg,
Mainz, Neapel, Reggio, Rom, Speyer (je 1). Mit 13 von 75 ist der
Anteil niederländischer Inkunabeln relativ hoch. An niederländischen
Postinkunabeln (bis 1540) bietet der Bestand ca. 80 Drucke.
Die Abteilung Theologie umfaßt (nach Katalog) 2416 Drucke,
u. a. Bibelausgaben 97 Bde, Exegetische Theologie 276 Bde, Historische
Theologie 203 Bde, Kirchenväter und Gesamtausgaben 186 Bde,
Systematische Theologie 505 Bde, Pastoraltheologie 197 Bde. Der
Schwerpunkt der theologischen Literatur liegt mit 1211 bzw. 682
Titeln auf dem 16. Jh und der ersten Hälfte des 17. Jhs. Auf
die zweite Hälfte des 17. und die erste Hälfte des 18.
Jhs entfallen lediglich 82 bzw. 90 Titel. Die Zeiträume 1751
bis 1800 und 1801 bis 1850 umfassen 167 und 184 Titel. Die Emder
Bibliothek führt einen reichhaltigen Bestand zur Reformationsgeschichte
Nordwestdeutschlands, natürlich Ostfrieslands und der Niederlande.
Die Schriften zum Kölner Reformationsversuch unter Hermann
von Wied und zum 2. Abendmahlsstreit sind durch die beiden dort
beteiligten Hardenberg und Medmann vorhanden. Für Bremen fällt
u. a. neben der sehr seltenen Kirchenordnung von 1534 eine weitere,
sonst nicht nachzuweisende Schrift heraus: Joh. Busmann, Commendatio
civitatis Bremensis gubernatione reipublica, conservatione verbi
Dei et scholae constitutione, Hannover 1545. Ostfriesland stand
schon in den späten 20iger Jahren des 16. Jhs im Blickpunkt
der Oberdeutschen wie der Wittenberger Reformation und geriet ab
der Jahrhundertmitte verstärkt unter ndl. Einfluß. Im
Bestand dominiert zwar insgesamt die Literatur des reformierten
Protestantismus, aber auch Luther, Melanchthon und Brenz u. a. sind
beachtlich vertreten. Luther mit ca. 125 Drucken des 16. Jhs beginnend
mit Debitum vobis sermonem, 1518, und Melanchthon mit ca. 130 Drucken,
davon zuerst die Loci communes, 1521. Ein wertvolles Dokument des
verdeckten Nachdrucks reformatorischer Schriften in Antwerpen ist
Luthers Adversus execrabilem antichristi bullam, ein nur in diesem
Exemplar nachgewiesener Druck von Michiel H. van Hoogstraten von
1520. Calvin ist mit 40 Ausgaben des 16. Jhs vertreten, darunter
die Epistolae duae, 1537, der sehr frühe Baseler Katechismus
von 1538 und der in Straßburg gedruckte und den Predigern
Ostfrieslands gewidmete von 1545, die Institutio (1539, 1559 u.
ö.) und seine Defensio orthodoxae fidei contra M. Servet von
1554. Die klassische Genfer Psalmenbereimung von Beza und Marot
ist in mehreren Ausgaben des ersten Druckjahres 1563 und in zahlreichen
späteren vorhanden, dazu die deutschen Lobwasser-Bereisungen
ab Straßburg 1586. Eine große Rarität ist der Erstdruck
der Genfer vierstimmigen David-Tragödie von Louis des Masures
1566. Über Johannes a Lasco u. a. gibt es Berührung mit
der englischen und polnischen Reformationsgeschichte, was sich auch
an seltenen Drucken ablesen läßt: die Disputatio de trinitate
von Franc. Stancarum, 1551, oder a Lascos Epistulae tres ad regem
Poloniae. Seine Schriften gegen den Täufer Menno Simon, Bonn
1545 und gegen den Lutheraner Westphal, 1560, markieren auch ostfriesische
Reformationsgeschichte. Das klassische Lehrdokument der Reformierten,
der Heidelberger Katechismus, erscheint im sehr seltenen lateinischen
Erstdruck 1563. In zwei sehr seltenen Schriften des Spaniers J.
L. Vives fokussiert Emdens Geschichte im 16. Jh: De subventione
pauperum, Brügge, Croock 1526 und De Europae dissidiis et republica,
1526. Die Emder Drucke des 16. Jhs sind vornehmlich für den
ndl. bzw. englischen Markt bestimmt gewesen und daher vor Ort nur
unzureichend anzutreffen. Emder ndl. Bibel(teil)drucke ab 1554,
die Deux-Aes-Bibel 1562 u. 1564/65 oder die Defensio doctrinae des
englischen Erzbischofs Thomas Cranmer, Emden 1557. Folgende ältere
Autoren sind noch zu nennen: Th. Beza (35 Drucke bis 1600, darunter
De haereticis a civili Magistratu puniendis, 1554), H. Bullinger
(30 Dr. bis 1600), U. Zwingli (10 Dr. bis 1600, darunter die Gesamtausgabe
1530 und die Philipperbriefvorlesung, von A. Karlstadt hrsg. mit
der Widmung an den ostfries. Junker Ulrich von Dornum 1531), M.
Bucer (19 Dr. bis 1600) J. Oekolampadius (14 Dr.), Matth. Martinius
(35 Dr.), Joh. von Münster (8 Dr.), Chr. Pezelius (23 Dr.),
A. Scultetus (23 Dr., die Medulla theologiae patrum, Neustadt 1605,
in einem Einband für J. Aug. de Thou), J. Piscator (22 Dr.).
Die Dominanz der reformierten Literatur läßt sich auch
an den Druckorten ablesen: Neben den oberdeutschen Städte Straßburg,
Basel, Zürich sind es v.a. Heidelberg, Neustadt, Herborn, Frankfurt,
Hanau, natürlich Genf und später die ndl. Druckorte. Erasmus
von Rotterdam ist in der Baseler Gesamtausgabe von 1538-40 und der
Leidener 1703-06 zu finden, sowie in fast 80 Drucken des 16. Jhs,
beginnend mit einem seiner ersten Texte in G. Hermannus, Sylua odarum,
Paris 1497.
Die Jurisprudenz umfaßt insgesamt 1712 Drucke, u. a. Römisches
Recht 256 Bde, Germanisches und Fremdes Recht 93 Bde, Völker-
und Staatsrecht 61 Bde, Kirchenrecht 50 Bde, Lehnsrecht 44 Bde,
Kriminalrecht 44 Bde, Prozeßrecht und Anweisung für Juristen
202 Bde, Philosophie des Rechts 24 Bde, Kameral- und Polizeirecht
9 Bde, Enzyclopädien und Kompendien 74 Bde, "Opera omnia"
36 Bde, Rechtsfälle und Gutachten 174 Bde, Abhandlungen und
Dissertationen 285 Bde. Hier liegt der Schwerpunkt insgesamt bei
den Werken aus der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte
des 17. Jhs (591 bzw. 854 Titel). Auf die Jahre 1500 bis 1550 entfallen
106 Titel, die restlichen Titel verteilen sich gleichmäßig
mit jeweils ca. 50 Titeln auf den Zeitraum von 1651 bis 1800. Die
erste Hälfte des 19. Jhs umfaßt lediglich 9 Titel. Das
Corpus Iuris civilis ist u. a. in den venetianischen Großfoliodrucken
ab 1494 von Georgius Arrivabenus, Bernadinus Stagninus und Baptista
de Tortis vorhanden, als 5-bändige Pariser Ausgabe (1528-31)
oder Antwerpener von 1576 bis zur großen Lyoner Ausgabe von
1612 mit dem Corpus juris canonici in 9 Bdn. Das Dekretum Gratiani
im Straßburger Grüninger-Druck von 1484, Guidos Casus
longi super institutis, Straßburg Georg Husner 1496 oder die
dort ebenfalls erschienenen Ausgaben von Helias Regnierus bzw. Bernardus
Parmensis 1496 u. 1498. Die Dekretales cum glosa Gregor IX. in der
durch Sebastian Brandt bei Amerbach in Basel besorgten Ausgabe von
1500 ist wahrscheinlich in Emden gebunden und gebraucht worden.
Unter J. Goblers Schriften sind der illustr. Der Rechten Spiegel
von 1558 und als ndl. Ausgabe von 1560. Das juristischen Instrumentarium
einer mit den Niederlanden eng verbundenen Seehafenstadt zeigen
u. a. Sammlungen von ndl. Placaten, die consuetudines Burgundiae,
1616, Meurers Wasserrecht des Rheinstroms, 1570, 't Boek der Zeerechten,
1637, v. Zutphen Practijk der nederlandse rechten, 1645, H. de Groots
Inleydinge und seine Vrije Zeevaert, 1636, Merulas Einführung
in ndl. Prozeßrecht, 1592, Decisiones curiae Hollandiae und
diverse Consultatien en advyzen. Die 9-bändige Oktav-Ausgabe
des Corpus Iuris von L. Russardus, Antwerpen Plantin 1567, wurde
insgesamt von Georg Harder in Marburg eingebunden und erlaubt die
Zuweisung zweier seltener Platten an diesen Buchbinder (s.u. 2.19)
. Noch heute ist eine kleine Reihe von Portraits (Öl auf Holz)
vorhanden, die ursprünglich zur Bibliothek Crumminga gehört
haben muß, Juristen und Philologen, die allesamt mit ihren
Schriften gut vertreten sind: J. Althusius, J. Cuiacius, H. Donellus,
F Duarenus, A. Tiraquellus, H. Vultejus. J. Lipsius und J. J. Scaliger.
Weiterhin sind überdurchschnittlich gut repräsentiert:
A. Alciatus, Franc. Balduinus, C. Besold, H. Bocerus, J. Borcholten,
A. Matthaeus, T. Manlius, J. Ostendorpius, N. Vigelius und M. Wesenbecius.
Da der größte Teil der juristischen Abteilung auf den
Stadtsyndicus Crumminga zurückgeht und vor diesen auf weitere
ostfriesische Vorbesitzer, gibt der Bestand einen sehr guten Einblick
in die hier bevorzugte Literatur. Gesammelte Dissertationen ostfriesischer
Juristen oder die Schriften des Hermann Conring unterstreichen den
regionalen Bezug auch dieser Abteilung.
Die Geschichte umfaßt insgesamt 1120 Titel. 53 gehören
in die erste Hälfte, 152 in die zweite Hälfte des 16.
Jhs. Mit 348 Titeln liegt der Schwerpunkt auf dem Zeitraum von 1601
bis 1650. Aus der zweiten Hälfte des 17. Jhs stammen lediglich
40 Titel. Literatur des 18. Jhs macht 441 Titel aus, wobei 304 Titel
aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs stammen. Aus der ersten
Hälfte des 19. Jhs liegen 86 Titel vor. Die lange Einbindung
Ostfrieslands und besonders Emdens in den niederländischen
Kulturraum erklärt den hohen Anteil an niederländischen
Drucken und Werken zur niederländischen Kultur und Geschichte
- eine Linie, die sich auch durch die Nachlässe des 19. und
20. Jhs bis heute hin durchzieht. Rolewincks Fascilus temporum liegt
daher vor in dem Utrechter Druck von Johann Veldener von 1480. Sleidans
De statu religionis ist im Straßburger Foliodruck von 1555
vorhanden als Geschenk der ostfriesischen Grafensöhne an den
Oldenburger Grafen, der es später an Hardenberg weitergab,
sowie in der seltenen niederländische Übersetzung von
Wouter Deleen, die 1558 bei Mierdmann und Gaillart in Emden erschien.
Aus dem niederländischen Freiheitskrieg sind zahlreiche Flugschriften
erhalten, u. a. die Smeekschrift der Edelen, Vianen 1566 und Wilhelm
von Oraniens Apologie, Leiden 1581 in ndl. und frz. Ausgabe. Auch
die späteren ndl. Werke E. van Meterens u. L. van Aitzema,
ndl. Atlanten von Mercator, Chatelain, Ottens bis zu C. van der
Aa's Atlas van de zeehavens der bataafsche republiek, Amsterdam
1805, die 21 Bde der 1747-67 compilierten zee- en landtogten, die
zum großen Teil auch in den Originalausgaben des 17. Jahrhunderts
vorliegen, die sehr seltene Specimen Islandiae von A. Jona, Amsterdam
1643, Niebuhrs Reize naar Arabien und umfangreiche Literatur auch
des 19. Jhs zum Friesisch/Groninger Raum sind Reflex der geschichtlichen
Einbindung Emdens. Auf den großen Bestand landesgeschichtlicher
Literatur ist bereits hingewiesen worden (s. 1.5 u. 2.17) . Die
großen, heute bibliophilen und wertvollen Klassiker der Geschichtsschreibung
wie Schedel, Breydenbach, Münster u. a. aus der Sammlung Janssen
ergänzen die bereits vorhanden von Seb. Franck und A. Krantz,
wie auch die schon vorhandene historische Reiseliteratur durch Janssen
eine vortreffliche Ergänzung erfahren hat.
Die Philosophie stellt mit 829 Titeln ein kleineres Sammelgebiet
dar. Auf das 16. Jh entfallen 263 Titel (zu je etwa 50 Prozent aus
der ersten bzw. zweiten Jahrhunderthälfte). Der Schwerpunkt
liegt mit 390 Titeln auf der ersten Hälfte des 17. Jhs, auf
die übrigen Zeiträume kommen zwischen 12 und 77 Werke.
Boethius, De consolatione philosophiae begegnet in dem großen
ndl.-lat. Paralleldruck von Arend de Keyser, Gent 1485 sowie in
D. V. Coornherts Übersetzung, Leiden 1585. Aristoteles, Secreta
secretorum, Antwerpen 1491 oder G. Burlaeus, De vita et moribus
philosophorum als Löwener Druck 1477-83 von Joh. de Westfalia.
Autoren wie Joh. H. Alsted, P. Ramus, R. Agricola, L. Danaeus. O.
Casmann, Th. Erastus, natürlich Erasmus von Rotterdam und Melanchthon,
R. Goclenius, Polanus a Polansdorf, J. Vives und B. Keckermann stehen
für die Rezeption der humanistischen Tradition im reformierten
Protestantismus. Die politische Philosophie umfaßt zahlreiche
Schriften, neben den schon Genannten auch von Hobbes, Molinaeus,
Zepper, Condit, Lipsius, Besold, Morus, Martinus, Weller, Grimalius
u. a. Petrarcas De remediis utriusque fortunae ist als Heidelberger
Inkunabel von um 1490, mit den Holzschnitten des Petrarcameisters
von 1581 und 1620 und im Lüneburger Oktavdruck 1637 vorhanden.
Die größte Nachfrage bis in den internationalen Leihverkehr
erfuhr bislang die Anthologie von K. W. Bindewald, Deutschlands
Dichterinnen, Bluethen deutscher Frauenpoesie, um 1895
Bei der Philologie handelt es sich insgesamt um 465 Titel. Dabei
ist auffallend, daß das 16. Jh und die erste Hälfte des
17. Jhs allein 447 Titel (96 Prozent) umfassen. Auch hier zeigt
sich der ndl. Einfluß durch die Elegantiarum viginti praecepta,
Deventer 1494 oder in einem Sammelband mit H. Torrentinus, In grammatices
primam partem commentaria, Deventer Paffraet 1521; die Synthaxis
von J. Custos Brechtanus, Antwerpen Michael H. van Hoogstraten 1521
und dessen Declinationes nominum von 1522; P. J. Murmellius, Variarum
rerum dictiones latine, Antwerpen G. Vorstermann 1522.
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Sondersammlungen
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Bibliothek Hardenberg
Der niederländische Theologe Albert Rizäus Hardenberg
(1510-1574) studierte nach der Ausbildung im Bruderhaus Groningen
in Löwen (1529-1538), bis er zur protestantischen Seite wechselte.
In Frankfurt trat er 1538/39 in eine dauernde Verbindung zu Johannes
a Lasco, schloß in Wittenberg Freundschaft mit Melanchthon
und nahm dann am Reformationsversuch Hermann von Wieds in Köln
teil, dessen große Reformationsschrift er lateinisch herausgab.
Von Köln hielt er Verbindung zu oberdeutschen Reformatoren
um Bullinger u. a. Von 1547 bis 1561 war er Domprediger in Bremen.
Im dort ausgetragenen 2. Abendmahlsstreit unterlag er, wurde ausgewiesen
und nach einigen Jahren beim Oldenburger Grafen wurde er 1567 Prediger
an der Großen Kirche in Emden, wo er 1574 starb. Seine Bibliothek
zählte insgesamt 526 Titel und 16 Hss.: Theologie 396, Jurisprudenz
8, Geschichte 8, Philosophie 43, Philologie 71~ z. T. mit ausführlichen
Marginalien. Darunter finden sich bedeutende Einzelstücke:
2 Bücher (von 3 in Emden vorhandenen) aus der Bibliothek des
Erasmus von Rotterdam, über den Zwischenbesitz von Johannes
a Lasco, der dessen Sammlung aufgekauft hatte, darunter J. Reuchlins
De verbo mirifico, Tübingen 1514 als Geschenk Reuchlins an
Erasmus mit dessen Besitzeintrag und dem von Hardenberg, der das
Buch von a Lasco bekommen hatte. Aus dem Besitz des ndl. Humanisten
Rudolf Agricola und dem Kloster Aduard stammt die Pharsalia von
Marcus A. Lucanus in dem Löwener Druck von Johann Veldener
1475-76. Weiter eine Vielzahl durch Provenienz- oder Widmungseinträge
ausgezeichnete Drucke, die die weitgespannten Verbindungen Hardenbergs
dokumentieren: Philipp Melanchthon, J. a Lasco, M. Bucer, J. Brenz,
H. Bullinger, P. Martyr Vermigli, Johannes Sturm, David Chytraeus,
F. Enzinas (Dryander), A. Blarer, P. Eber, Gualther, Th. Beza, H.
von Wied u. a. Viele der frühen Reformationsdrucke (s.2.7)
sind über Hardenberg der Emder Bibliothek zugeflossen. Manche
Bücher sind mit Kaufeinträgen versehen. Die erhaltenen
Einbände stammen, seinen Lebensstationen entsprechend, vor
allem aus Flandern, Groningen, Köln, Bonn und Bremen. Die ndl.
Souter liedekens besaß er im ersten Antwerpener Druck von
1540. Von Wessel Gansfort las er u. a. De causis incarnationis in
Corvers Zwoller Druck von 1521. Und die ihm vertraute Tradition
der devotio moderna ist u. a. vertreten durch den Traktat Thomas
a Kempis "Soliloquium animae" in der sehr frühen
Utrechter Inkunabel von 1474 von Nicolaus Ketelaer und Gerardus
de Leempt. Die Reformationsdrucke spiegeln natürlich seine
Zeit in Köln und Bremen, darüber hinaus kommen andere
wertvolle Bände aus seinem Besitz, wie ein kolorierter Ptolomäus-Atlas
in der Straßburger Ausgabe von 1525.
Bibliothek Medmann
Petrus Medmann (Köln 1507 - Emden 1584) war nach einem Studium
in Köln und Wittenberg Erzieher der Grafensöhne Johann
von Wied und ab 1536 in Diensten des Kölner Erzbischofs Hermann
von Wied. Er trat 1539 in Verbindung zu Martin Bucer, Melanchthon
u. a., lernte Hardenberg kennen, der inzwischen ebenfalls bei von
Wied mitarbeitete. Nach dem Scheitern des Reformationsversuches
in Köln war er ab 1548 wieder Erzieher, nun der ostfriesischen
Grafensöhne, und von 1553 bis 1584 erster Bürgermeister
der Stadt Emden. Medmann war zwar theologisch gebildet, aber sein
primäres Aktionsfeld blieb die Politik. Mindestens 113 Drucke
zählt der erhaltene Buchbestand: Theologie 70, Geschichte 27,
Philosophie und Philologie je 8. Die Bibliothek ist nicht umfangreich,
aber wichtig als "profanes" Pendant zur Bibliothek des
Theologen Hardenberg, interessant durch zahllose Glossen von der
Hand Medmanns, durch Kaufeinträge sowie durch Bucheinbände
vor allem aus Köln und Emden. Mit dem Kölner Buchdrucker
und Händler Arnold Birckmann muß er gut bekannt gewesen
sein, wie ein Widmungseintrag zeigt. Bucer widmete ihm mehrere seiner
Bücher. Die ndl. Flüchtlingsgemeinde aus London unter
a Lasco hatte sich in Emden eingefunden, auch einige Engländer
waren dabei. Medmann informierte sich in der von Pollanus besorgten
"Vera Expositio disputationis institutae mandato D. Mariae
Reginae in Synodo Ecclesiastica, Londini" von 1554. Auch in
seinem politischen Amt bleibt er an der kirchlichen Kontroversen
interessiert. Als Bürgermeister liest er den berühmten
anonymen Traktat des Toleranzgedankens von 1554 "De haereticis
an sint persequendi" und notiert die zutreffende Vermutung:
"Sunt qui affirmare audent hunc librum a Sebastiano Castalione
collectum esse ..." und verweist auf Bezas Entgegnung.
Bibliothek Salmuth
Friedrich Salmuth (1592-1625) wurde als Sohn des Dresdener Hofpredigers
Johann Salmuth geboren. Sein Studium absolvierte er in Amberg, Heidelberg
und Marburg, wurde dann Prediger in der Pfalz bis zu deren Rekatholisierung,
war von 1621 bis 1625 Prediger in Emden. Von seiner nachgelassenen
Bibliothek ist ein hschr. Verzeichnis erhalten, das 620 Nummern,
nach den Formaten Folio, Quart, Oktav geordnet, auflistet. (s. u.
3.3). Die Bücher stammen z. T. noch aus väterlichem oder
großväterlichem Vorbesitz. Es handelt sich um Werke aus
den Bereichen Theologie, Antike Schriftsteller und Historiographie,
Gesamtausgaben von Zanchius, Ursinus, Junius, Melanchthon, Bucers
scripta anglicana, Basel 1577, Bibelkommentare v.a. von W. Musculus,
H. Bullinger und Gualther, die Schriften des Heidelberger und dann
Emder Theologen Abraham Scultetus, ein Sammelband mit 3 Schriften
des Nassauischen Rats und Vice-Hofrichters Joh. von Münster
(Apologia christiana, Canis latrans, Brevis responsio, 1619-1621),
ein Band mit vergoldeten Supralibros des Autors, sowie T. Heßhusens
Psalmenkommentar, Helmstedt 1586, aus dessen Besitz. Calvins Institutio
in seltener erster deutscher Fassung als Unterweisung in christlicher
Religion, Heidelberg, 1572. Aber auch Seb. Münsters Cosmographie
von 1598, G. Agricolas Berkwerkbuch und De mensuris et ponderibus
und die große illustrierte Historica narratio profectionis
et inaugurationis Alberti et Isabellae, Antwerpen 1602 hat Salmuth
eingebracht.
Bibliothek Crumminga
Der spätere Dr. jur. Geldericus Crumminga (1590-1655) besuchte
die Lateinschule in Emden und Bremen, studierte in Helmstedt, Marburg
und Basel, war ab 1619 als Jurist in Emden tätig, ab 1626 als
erster Landsyndikus der Stände und ab 1638 bis zu seinem Tod
als Syndicus der Stadt Emden, darin Nachfolger von Johannes Althusius.
Anstatt der bisher angenommenen 72 Bücher (Ritter) geht vielmehr
der größere Teil des Altbestandes der Kirchenbibliothek
auf Crumminga zurück. Der Katalog von 1674 gilt bisher als
der älteste deutsche gedruckte Bibliothekskatalog einer Privatsammlung.
Eine eingehende Untersuchung steht noch aus, der weitaus größere
Teil der Sammlung Crumminga dürfte aber heute noch erhalten
sein. Crumminga hat nicht nur laufende Neuerwerbungen für die
juristischen Alltagsgeschäfte getätigt. Er muß auch
gezielt private Buchbestände aufgekauft haben, so die der gräflichen
oder städtischen Beamten Alricus Slüter und Caspar Moller.
Eine Vielzahl seiner Bücher trägt Besitzvermerke früherer
Emder Bürger und Beamte. Nach dem Katalog von 1674 (nach Raabe)
können bisher folgende Angaben gemacht werden: Von den 4260
Titeln fallen 1606 auf die Juridica (davon 1515 lateinisch, 91 deutsch
oder holländisch); auf die Theologica 752 (556/196); auf die
Politica 587 (359/228); auf die Philologica 523 (443/80); auf die
Historica 352 (271/81); auf die Philosophica 252 (201/51); auf die
Geographica 102 (64/38); auf die Medica 86 (64/22). Insgesamt sind
also 3473 lateinische und 787 deutsche oder holländische Drucke
vorhanden. Weitere systematische Unterteilungen sind erst nach detaillierter
Gegenkontrolle zwischen Katalog und erhaltenem Buchbestand angebracht.
Aus dem Amsterdamer Karthäuserkloster stammt ein Sammelband
mit Inkunabeln, darunter die "Historia septem sapientium Romae"
des Gerard Leeu, Gouda 1480-82. Die juristische Abteilung geht zum
großen Teil auf ihn zurück. Er sammelte aber auch Reformationsdrucke,
Ostfrisica, Literarisches und Sprachkritisches wie die Newe außgeputzte
Sprachposaune An die Unartigen Teutscher Sprach-Verderber, 1648.
Gesangbuchsammlung Goemann
Der ostfriesiche Pastor Jasper Goemann (1847-1919), der auf dem
Gebiet der Hymnologie arbeitete, hinterließ neben seiner Handbibliothek
für Kirchenmusikgeschichte und einzelnen Drucken des 15. und
16. Jhs eine Gesangbuchsammlung von insgesamt 452 Gesangbüchern
des 17. bis 19. Jhs, darunter Eucharius Zinckeisens große
Ausgabe der Kirchengesaeng, 1584, J. Crügers, Psalmodia sacra,
1658, J. Neanders Bundeslieder, Bremen 1683, die 1570er Kirchenordnung
von Zweibrücken Pfalz-Neuburg, J. Taulers niederdeutsche Predigten,
1521, Geiler von Keisersberg Christliche Pilgerschaft, 1512 und
ein lat. Bibelausgabe, Basel, Kesler 1491.
Bibliothek Ritter
Dr. Friedrich Nathanael Ritter (1856-1944) war Gymnasialprofessor,
über Jahrzehnte Vorstandsmitglied der Emder Gesellschaft für
bildende Kunst und vaterländische Altertümer und führender
Historiker der landesgeschichtlichen Forschung in Ostfriesland.
Seine größtenteils erhaltene Bibliothek von 2136 Bdn
enthält Literatur zur Geschichte Ostfrieslands und der Niederlande.
Der Schwerpunkt liegt im 16. Jh bei Werken des Humanismus und er
Reformation. Es handelt sich um Quellenausgaben, Reihen, Zeitschriften,
Monographien und Kleinliteratur, Bibliographien, Auktions- und Antiquariatskatalogen,
sowie für die ostfriesische Geschichte wichtige seltene alte
Literatur: diverse Emder Drucke des 16. Jhs sowie Schriften von
Rudolf Agricola (Opuscula, 1518, Dialectica, 1539, Lucubrationes
1539), Hermann Hamelmann (De Traditionibus apostolicis veris ac
falsis, 1555), des Bremer Christoph Pezelius (Etliche gruende, 1588,
Kurtze Resolution 1588) u. a. Es handelt sich um 8 Drucke bis 1550,
30 Drucke bis 1600, 33 bis 1650, 38 bis 1700, 94 bis 1750, 46 bis
1800, 129 bis 1850, 709 bis 1900, 1049 bis 1944. Knapp zwei Drittel
der Bibliothek besteht aus deutschsprachiger Literatur (1260 Titel),
daneben sind 703 niederländische Drucke, 64 französische,
100 lateinische sowie 9 anderssprachige vorhanden. Über Ritter
ist das Exemplar des ndl. Neuen Testaments erhalten, dessen Druck
M. Jacobszoon in Lübeck begonnen und das W. Gaillart 1554 in
Emden abgeschlossen hat. Als Emder Druck von 1567 besaß Ritter
ebenfalls die erste ndl. Übersetzung der Apokalypse-Auslegung
von H. Bullinger.
Bibliothek Janssen
Der aus Emden gebürtige Bonner Kaufmann Johann Philipp Janssen
(1917-1993) übereignete seine bibliophile Sammlung erst jüngst,
1992, der Emder Kirchenbibliothek: eine alle klassischen Wissenschaftsgebiete
berücksichtigende Privatbibliothek mit deutlichen Schwerpunkten
bei den Werken zur Geschichte u. Geographie (Reisebeschreibungen)
und der Theologie (v.a. Reformationsdrucke). Mit 18 Inkunabeln,
ca. 300 Drucken des 16. Jhs, je 450 des 17. und 18. Jhs sowie 600
des 19. und 20. Jhs inclusive einiger Pressendrucke und Handschriften
wird v.a. der Emder Altbuchbestand weiter ausgebaut. Durch Maximilians
Theuerdank von 1519 wird überdies ein Kriegsverlust wieder
ergänzt. Janssen erwarb klassische Geschichtswerke wie die
Kölner Chronik von Koelhoff, 1499, Schedels Chronik in der
lat. Erstausgabe 1493, das Supplementum chronicarum von Bergomensis,
Venedig 1486, Olaus Magnus, Historia de gentibus, Rom 1555, Johannes
Stumff große Schweizer Chronik von 1548, Hamelmanns Oldenburgisch
Chronicon, 1599 u. a., ebenso große Reisewerke wie die illustrierte
Peregrinatio in terram sanctam von Bernhard von Breydenbach, Mainz
1486, Theodor Bry's Beschreibung der Wilden in Virginia, 1590-97,
Nicolas de Nicolai illustrierte Reise in die Türkei, 1572,
B. Bordones Insel-Beschreibungen, Venedig, Manitius 1547, bis hin
zu den großen niederländischen Unternehmungen des 17.
Jhs durch Nieuhof, van Linschoten, Hulsius, Lodewijcksz u. a. Medizingeschichte
in klassischen Werken (Vesalius, Ryff Valverdo, Paracelsus). Confalonerus,
De vini natura, 1535 und die Erstausgabe der Opera von B. Scappi,
des Geheimkochs Pius V. begründen eine interessante Reihe von
Koch- und Kräuterbüchern. Die Theologie tritt u. a. mit
dem Missale Hildensemense, 1499, den Sermones von L. M. de Utino,
1473, Den Statuta ordinis cartusiensis, 1510, Luthers Bereytung
zum Sterben und über 30 weiteren Lutherdrucken sowie mit der
Holzschnittfolge von Urs Graf in M. Ringmanns Passion, 1510, auf.
Technik und Handwerk, Militärgeschichte, Preußica neben
Erstausgaben deutscher Dichtung und großen Klassikern wie
Dantes Comedia, Brescia 1487, S. Brandts Stultifera navis, Basel
1497 u. a. m. zeigen eine breit angelegte und sicher nicht untypische
bibliophile Sammlung des 20. Jhs.
Einbände
Wurde auch um 1800 ein Teil des Buchbestandes neu gebunden (und
beschnitten), so hat sich doch ein wertvoller Fundus historischer
Bucheinbände des 15. und 16. Jhs erhalten: Klostereinbände
aus Antwerpen, Löwen, Bremen, Niederrhein, Emden (dazu Schunke,
s. u. 5) und vor allem mitteldeutsche aus Braunschweig, Dresden,
Leipzig, Wittenberg über den Theologen Salmuth. Es finden sich
Kölner Rollen- und Plattenpressungseinbände der Meister
H. B. A., H. B., W. L., I. W., I. V: B., R. V. sowie unterzeichnete
vor allem aus den Beständen Medmann und Hardenberg, die beide
beim Kölner Reformationsversuch mitwirkten, von beiden auch
Bonner Einbände (W. L., p. t. vergoldete Portraitplatten von
Erasmus und Melanchthon). Bei Hardenberg handelt es sich u. a. um
Bremer Einbände sowie niederländische aus Antwerpen, Löwen,
Utrecht, Zwolle, Groningen. Noch nicht näher untersucht und
präzise abgrenzbar sind die Emder Einbände. Sicher ist
eine reformierte Rolle mit den Köpfen von Zwingli, Beza, Calvin,
daneben eine Tugendrolle, eine "NP"-Rolle, sowie ornamentale
Rollen und Platten. Weitere 12 Einbände des Stechers NP sind
vorhanden. Bände aus Rostock, Leipzig, Frankfurt, Straßburg,
Marburg (2 von A. Schmidt nicht genannte Platten des Georg Harder)
sind vorhanden. Außerdem liegen 2 Bde mit der blindgepreßten
Druckermarke des Matthias Harnisch und ein vergoldeter Krakauer
Einband von 1527 für Johannes a Lasco vor.
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22.8.2001 / fas
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