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Die Untersuchung soll sich auf das öffentliche Recht konzentrieren. Denn die Disziplin des ius publicum hat sich erst Anfang des 17. Jahrhunderts von der traditionellen Vorherrschaft des römisch geprägten Zivilrechts emanzipiert, und ihre Entstehung ist unmittelbar mit der konfessionellen Spaltung des Reiches verbunden. Erst jetzt tritt eine spezifisch juristische Erörterung an die Stelle der nach aristotelischem Vorbild innerhalb der praktischen Philosophie abgehandelten Politik. Der Verfasser der grundlegenden Geschichte des öffentlichen Rechts, Michael Stolleis, hat darauf aufmerksam gemacht, daß protestantische Juristen die entscheidende Rolle dabei spielten. Unter ihnen kommt einzelnen klar calvinistisch-reformiert orientierten Vertretern wie Johannes Althusius eine herausragende Bedeutung zu. Aber auch weniger bekannte reformierte Juristen wie zum Beispiel Hermann Vultejus oder Philipp Heinrich Hoenonius sind hier zu nennen. Läßt sich diese entscheidende Rolle, die protestantische Juristen bei der Entstehung des ius publicum als eigenständiger juristischer Disziplin gespielt haben, allein aus deren spezifischem Interesse an einer rechtlichen Absicherung des gefährdeten Protestantismus im Reich erklären? Oder kommen auch weitere geistesgeschichtliche Zusammenhänge, präferierte Traditionen und theologische Grundmuster zum Tragen? Gegenüber früheren, vereinzelt unternommenen Versuchen, bestimmte juristische Argumentationen in direkter Linie aus theologischen Grundsätzen Calvins abzuleiten, ist Vorsicht geboten, zumal nicht selten konfessionalistische Interessen im Hintergrund standen. Vielmehr muß zweierlei beachtet werden: Zum einen war der Calvinismus nicht einförmig, sondern vielgestaltig. Die Auseinandersetzungen zwischen einer humanistisch-moralistisch orientierten und einer streng augustinisch-prädestinatorisch orientierten Richtung begleiten den Calvinismus von Anfang an. Zum anderen formierte sich der Calvinismus in einem Milieu, das stark von der humanistischen Jurisprudenz geprägt war. Nicht zuletzt daraus erklärt sich die besondere Attraktivität des Calvinismus unter Juristen. In dem Forschungsprojekt werden jedoch nicht nur reformierte Juristen des 17. Jahrhunderts untersucht, sondern auch die Präsenz juristischer Themen und Argumentationen in der Theologie des Calvinismus. Bekanntlich hat Calvin selbst - wie viele andere Theologen des frühen Calvinismus - seine Jugendjahre mit dem Studium des römischen Rechts verbracht. Die Verbindung von rechts- und theologiegeschichtlichen Fragestellungen wird auch Erkenntnisse im Blick auf die konfessionelle Eigenart des Calvinismus insgesamt erbringen. Bisherige Veranstaltung: » Martin Bucer und
das Recht, 1.-3. März 2001 |
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·22.11.2001 / fas· |
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Die Psalmendichtungen des Clément Marot und Théodore de Bèze (in den Vertonungen von Claude Goudimel, Louis Bourgeois u. a.) zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der Liedkultur des reformierten Protestantismus im romanischen Sprachraum. Ihre Wirkung blieb nicht auf den französischsprachigen Bereich begrenzt; auch die Entwicklung der Literatur in den europäischen Nachbarländern empfing von ihnen wichtige Impulse. Schon wenige Jahre nach den Erstdrucken des Hugenottenpsalters (Genf 1562) setzte in Europa - von Deutschland (Schede Melissus, Lobwasser, von Winnenberg) und den Niederlanden (Utenhove, Dathenus, Marnix) bis nach Ungarn (Szenczi Molnár) - eine lebhafte Rezeption der "Pseaumes mis en rime françois" durch Übersetzungen ein, die nicht zuletzt in Deutschland zu einem Qualitätssprung in der damals noch wenig entwickelten volkssprachigen Lyrik führte. Durch die strikte Ausrichtung der Übertragungen an den teilweise hochartifiziellen Vers- und Strophenformen der französischen Vorlagen (um die Sangbarkeit der Texte nach den vorgegebenen Melodien zu gewährleisten) ebneten hier die Psalmen(nach)dichtungen den Weg zum modernen westeuropäischen literarischen Standard. Selbst Martin Opitz, der "Vater der neueren deutschen Kunstdichtung" ging - wie zahlreiche europäische Poeten vor und nach ihm - in die Schule des Genfer Psalters. Die Faszinationskraft der Texte und Melodien des Hugenottenpsalters endete keineswegs an den Konfessionsgrenzen; auch im lutherischen (Becker) und katholischen Lager (Ulenberg) trafen die französischen Psalmen im Original wie in der Übersetzung auf ein reges Interesse, riefen freilich auch programmatische Gegenbewegungen hervor. Eine grundlegende Untersuchung der Wirkungen des Genfer Psalters auf die Entwicklung der lutherischen wie katholischen Literatur des Barock steht noch aus: "Im konfessionellen Zeitalter, das 1648 keineswegs zuende geht, müßte der Literarhistoriker dem literarischen Leben der drei christlichen Konfessionen und ihren territorialen Kraftfeldern gleichermaßen Rechnung tragen [...]" (D. Breuer) und zugleich sein Augenmerk auf die vielfältigen überkonfessionellen und überregionalen Austauschprozesse richten. Die Frage nach der Bedeutung des Hugenottenpsalters für die literarische Entwicklung im deutschen Sprachraum und darüber hinaus ist heute in den weiteren kulturhistorischen Kontext der allgemeinen Rezeption des Ideenguts des westeuropäischen Calvinismus im 16. und 17. Jahrhundert zu stellen: "Es sollte wenigstens umrißhaft plausibel gemacht werden können, daß der literarische [...] Modernisierungsprozeß in diesem Zeitraum nicht ausschließlich, aber doch eng mit der 'Zweiten Reformation' in Zentral-Europa und damit der zentraleuropäischen calvinistischen Bewegung verknüpft ist." (K. Garber). Das Forschungsprojekt "Der Hugenottenpsalter - Geschichte
seiner Wirkung in Deutschland und Europa" widmet sich auf interdisziplinären
Arbeitstagungen der Frage nach der kulturhistorischen Bedeutung
des Genfer Psalters vornehmlich im 16. und 17. Jahrhundert. Um die
Arbeitsgrundlage für künftige literatur-, musik- und liturgiewissenschaftliche
Forschungen zu erweitern, sollen zudem zentrale, bis heute nur schwer
zugängliche Texte in (kommentierten) Faksimile-Ausgaben publiziert
werden. Eine Erfassung der deutschen und niederländischen Übersetzungen
des Hugenottenpsalters, deren (Zwischen-)Ergebnisse im Internet
zugänglich gemacht werden, rundet das Vorhaben bibliographisch
ab. Bisherige Veranstaltung: » "Der Genfer
Psalter in seiner Zeit", Interdisziplinäres Symposium
am 22. und 23. März 2001 |
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·22.11.2001 / fas· |
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In der Bildungsgeschichte gehören die Fragen nach einer konfessionsspezifischen Prägung des frühneuzeitlichen Schul- und Erziehungswesens zu den schon traditionell untersuchten Problemen. Allerdings lassen sich einige deutliche Schwerpunkte der Forschung in den Bereichen der Höheren Bildung in Hochschulen, Fürstenschulen und Gymnasien ausmachen, während andere Themen vernachlässigt wurden. Das Forschungsprojekt verfolgt daher drei grundsätzliche Leitlinien: zum einen wird für die reformiert-calvinistische Konfessionslandschaft nach einer höhere und niedere Bildung übergreifenden Gesamtsicht gefragt, die auch das Verhältnis von privater und familiärer Erziehung zum staatlich-kirchlich organisierten Bildungswesen untersucht. Zweitens soll den Untersuchungen zum Raum des Alten Reiches eine europäisch-vergleichende Perspektive an die Seite gestellt werden, bei der die kulturellen Austauschbeziehungen in pädagogischer Theorie und bildungsorganisatorischer Praxis unter den reformiert-calvinistischen Kirchen Europas und konfessionsverwandten Gemeinschaften (z.B. engl. Dissenters) im Mittelpunkt stehen. Neben dem berühmten Schülerkreis des Johann Amos Comenius gab es auch andere Zirkel und Netzwerke, die weniger prominent, aber ebenso einflußreich waren. Drittens benötigt die Forschung zur Bedeutung der reformiert-calvinistischen Bildung und Erziehung einen Impuls durch die konfessionsvergleichende Dimension, d.h. die systematische Frage nach Übereinstimmungen und Unterschieden zum lutherischen und katholischen Bildungsbereich. Der zeitliche Rahmen des Projekts schließlich versucht, die konfessionsgeschichtlichen Untersuchungen zum 16. und 17. Jahrhundert mit den Fragestellungen zur Frühaufklärung und Alphabetisierungsdiskussion des 18. Jahrhundert zu verknüpfen. Zu fragen ist, ob die reformierte Tradition im Bildungs- und Erziehungswesen so prägend ist, daß sich noch die charakteristischen Unterschiede der Alphabetisierungsraten in deutschen und europäischen Regionen um 1800 daraus erklären lassen. Die Konzentration auf den reformiert-calvinistischen Bereich in der Bildungsentwicklung kann ein besonderes Interesse beanspruchen, weil der Trend der Bildungsforschung zur Betonung des lokalen gegenüber dem zentralstaatlichen Element - auch für die Epoche des Absolutismus - bei der Untersuchung der presbyterial-gemeindlichen Strukturen und ihrer Auswirkungen auf Schulorganisation und Bildungsmotivation der Bevölkerung wichtige Aufschlüsse für das Verhältnis von Bildung und Erziehung in der ständischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit zu geben verspricht. Bisherige Veranstaltung: » Arbeitsgespräch
'Reformierte Bildung' in Berlin, 11.-12. Oktober 2001
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22.8.2001 / fas
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