Aktuelles
Aus den Landeskirchen >>>
Aus den Gemeinden >>>
Aus dem Reformierten Bund >>>
Kolumne >>>

from... - die reformierte App

Newsletter

Wir auf Facebook
Frieden in weiter Ferne
Kolumne von Paul Oppenheim
Zehntausende junger Menschen, denen die Wiedereinführung der Wehrpflicht bevorsteht, hätten sich von ihrer Kirche ein klares Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit erhofft: Eine eindeutige Unterstützung derer, die unter Berufung auf Jesus Christus den Kriegsdienst verweigern. Nach bisherigen Erklärungen der Kirchen wäre auch die bedingungslose Verurteilung aller Massenvernichtungswaffen zu erwarten gewesen. Das „Nein ohne jedes Jahr“ des Reformierten Bundes (1982) und auch der Atomwaffenverbotsvertrag der UNO (2021)werden ignoriert.
Unter dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“[1] wird ein Konzept entfaltet, das bisherige Positionen der EKD in Frage stellt. Trotz geschwundener gesellschaftlicher Relevanz sucht der Rat der EKD den Schulterschluss mit den Regierenden.
Wo bisher „Vermeidung von Gewalt“[2] ein Grundelement des „gerechten Friedens“ war, tritt jetzt der „Schutz vor Gewalt“[3] in den Vordergrund. Der „Schutz vor Gewalt“ wird zur obersten Priorität staatlichen Handelns erklärt. Etwa vierzig Mal kommt dieser Begriff vor. Der „Schutz vor Gewalt“ legitimiert Gegengewalt, auch wenn sich dafür kein einziger biblischer Beleg findet. Allein der Verweis auf die Barmer Theologische Erklärung (These V) soll genügen[4].
Die Gewalt, vor der wir um jeden Preis geschützt werden sollen, kommt schicksalhaft über uns. Der Rückgriff auf den theologischen Begriff der Sünde, macht eine Reflexion über Ursachen von Gewalt überflüssig. Man wundert sich auch über die ganz untheologische Feststellung, dass „eine ausreichende Ausstattung der Bundeswehr für einen Verteidigungsfall derzeit nichtgegeben ist“[5].
Der Primat des Gewaltverzichts wird zwar beschworen und als die „gemeinsame Überzeugung in den evangelischen Kirchen“[6]anerkannt, aber die biblische Friedensvision wird in den Bereich unerfüllbarer Jenseitserwartungen verwiesen. Wie vor vierzig Jahren werden engagierte Basisgruppen ihre Kirchenleitungen wieder daran erinnern müssen, dass Friede „keine Selbstverständlichkeit, aber möglich und kostbar“ [ist][7].
[1] „Welt in Unordnung –gerechter Frieden im Blick“, Denkschrift des Rates der EKD, Evangelische Verlagsanstalt, 2025
[2] „Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen“, Denkschrift des Rates der EKD, Gütersloher Verlag, 2007, S. 54
[3] „Welt in Unordnung –gerechter Frieden im Blick“, S. 49
[4] A.a.O. S. 56
[5] A.a.O. S. 64
[6] A.a.O. S. 25
[7] „Aus Gottes Frieden leben“, S. 124
Georg Rieger


