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Tür nicht verschließen
Andacht zu Weihnachten 2025

Während diese Zeilen entstehen, steht das Fest kurz bevor. Überall ist offiziell Weihnachtsstimmung: Wham und Mariah Carey begleiten seit Wochen unseren Advent, die Lichter leuchten, die Weihnachtsmärkte pulsieren, Christbäume werden gekauft und geschmückt. Alles wird vorbereitet – für Hirten, Engel und das Jesuskind.
Und in all dem erinnert das Matthäusevangelium daran, dass die Ankunft Jesu gar keine sentimentale Angelegenheit ist. Jesus selbst vergleicht sein Kommen mit einem Dieb, der in ein Haus einbricht. Aber nicht, um zu stehlen, sondern um zu zerstören - und zwar das, was Menschen gefangen hält. Das Kommen Gottes ist selten bequem. Und es geschieht oft, bevor wir glauben, dafür bereit zu sein. Aber Jesus kommt nicht in die Welt, um sie zu erhalten, wie sie ist. Er kommt, um sie zu verwandeln.
Wer einen sicheren, berechenbaren und gefälligen Jesus sucht, dessen Erwartungen wird er durchkreuzen. Der Jesus im Matthäusevangelium wartet nicht, bis es passt. Er bittet nicht um Erlaubnis, er klopft nicht höflich an und bleibt vor der Tür stehen. Das Reich Gottes bricht herein. Und wenn das geschieht, zeigt es uns nicht nur die Zerrissenheit um uns herum, sondern auch die Zerrissenheit in uns selbst. Dann müssen wir ehrlich fragen: Will ich Jesus hereinlassen – oder will ich die Kontrolle behalten? Will ich Veränderung – oder Bequemlichkeit? Will ich das Reich Gottes – oder will ich, dass alles so bleibt, wie es mir vertraut ist?
Denn wenn Jesus wirklich erscheint, bleibt nichts, wie es war. Die Hungrigen werden satt, die Machtlosen werden erhoben, die Ausgeschlossenen werden willkommen geheißen, die Unterdrückten werden befreit, die Vergessenen finden Heimat. Nicht alle feiern das. Wo Freiheit einzieht, geraten die in Panik, die von Unterdrückung profitieren. Denn die Ankunft Christi ist Hoffnung für die Verwundeten – und Erschütterung für alles, was davon lebt, dass sie verwundet bleiben.
Mitten in dieser Zumutung liegt eine große Verheißung. Von uns wird nicht verlangt, dass wir für Jesu Kommen „fertig“ sind. Nur, dass wir die Tür nicht verschließen. Christus kommt den Müden nahe, den Entmutigten, den Ohnmächtigen, denen, die aufgehört haben, noch etwas Gutes zu erwarten. Er bricht nicht ein, um zu vernichten, sondern um zu heilen. Weihnachten lädt uns nicht ein, darauf zu hoffen, dass Gott sich vielleicht irgendwann einmal zu uns aufmacht. Weihnachten lehrt uns zu erkennen, dass Gott bereits unterwegs ist – hier, jetzt, in uns, für uns.
Bleiben wir also wach. Bleiben wir offen. Bleiben wir dabei. Denn nichts, absolut nichts, kann aufhalten, wozu Gott sich schon längst aufgemacht hat.
Bernd Becker


