Gebet/Psalmen


┬ę Reformierter Bund

Das Gebet des Menschen zu Gott ist Bitte und Klage, Dank und Lob. Das bekannteste und das bedeutendste Gebet für Christinnen und Christen ist das Unservater. Das Unservater, in lutherischer Tradition Vaterunser, hat Jesus gelehrt zu beten – im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6, die Verse 9 bis 13.

Unser Vater im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Andere bedeutende Gebete der Bibel sind die Psalmen. Die Psalmen des Alten Testaments sind jüdische Gebete. Mit dem für evangelisch-reformierte Gottesdienste typischen Psalmengesang, mit der immer wieder erneuerten Nachdichtung biblischer Psalmen für den Gottesdienst bewahren reformierte Christen ein „zentrales Stück des biblischen Erbes, das Juden und Christen gemeinsam ist“, so Rabbiner Jonathan Magonet und Rolf Rendtorff im Geleitwort zum Reimpsalm der Evangelisch-reformierten Kirche.

Weitere berühmte Gebete der Bibel sind: der Lobgesang der Hanna (1. Samuel 2, 1-10), der Lobgesang der Maria (Lukas 1, 46-55) und der Lobgesang des Zacharias (Lukas 1,67-79).

Das kürzeste Gebet im christlichen Gottesdienst: „Herr, erbarme dich!“ – griechisch: Kyrie eleison.

Was ist an den Psalmen reformiert? Kurz gesagt: dass man sie in Reime gefasst hat und singt. Der Reformator Johannes Calvin hat die Idee, den Psalter in dieser Weise umzusetzen, im 16. Jahrhundert aus Straßburg mitgebracht und damit dem Psalmsingen zur Geltung verholfen.

In der Folge gab es immer wieder Neubereimungen. Im 19. Jahrhundert etwa hat der Coetus ein ganzes Gesangbuch mit Psalmen herausgegeben. Neubereimungen sind aber auch in unserer Zeit immer wieder unternommen worden. Das war ein schwieriges Unternehmen. Melodie und Reimschema liegen ja fest, und man muss Reim und Inhalt in Abstimmung bringen, zudem den Text so komprimieren, dass die Gemeinde nicht endlose Strophen singen muss.

Schwierigkeiten entstehen auch, weil man zudem Wort und Melodie in ihrem Ausdruckswert in Übereinstimmung bringen muss. So werden „tiefe“ Vokale auch mit tiefen Tönen ausgestattet und umgekehrt „hohe“ Vokale mit hohen Tönen. Viele Melodien sind auch auf französische Texte komponiert, da müssen die Übersetzungen ins Deutsche sehr sensibel angepasst werden. All das und noch einiges mehr muss wohl bedacht werden, wenn ein Psalm neu bereimt wird.

Übrigens ist die Orgel der kleinen Kirche von Westerhusen bei Hinte die erste Orgel, die speziell zur Begleitung des Psalmengesangs gebaut wurde. Vorher gab es keine, denn da wurde a capella gesungen.


Alfred Rauhaus / Barbara Schenck

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