Bestandsgeschichte und Sammlungsschwerpunkte
Sammlungsschwerpunkte
Sammlungsschwerpunkte sind aber nach wie vor die Literatur zum reformierten Protestantismus und zur Konfessions-geschichte der Frühen Neuzeit. So spiegeln Bibliothek und Archiv die große Zeit Emdens wider, als diese Stadt im Zuge des spanisch-niederländischen Freiheitskrieges tausende Flüchtlinge aufnahm und für kurze Zeit sogar zu den bedeutendsten Häfen des Kontinents zählte. Die Bibliothek hat dazu in den letzten Jahren, unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, viele Neuerwerbungen tätigen können, so dass der Buchbestand heute bei etwa 160 000 Bänden liegt.
Meilensteine
1559
Gründung
der theologischen Bibliothek in Emden
Im gleichen Jahr als Johannes Calvin die Genfer Akademie ins Leben rief, wurde in Emden eine theologische Bibliothek gegründet. Der Kirchenälteste Gerhard tom Camp, hinterließ der reformierten Gemeinde Emdens seine Büchersammlung.
1570
Flutkatastrophe in Emden
Die Büchersammlung war zunächst in einem Pfarrhaus in der Kirchstraße untergebracht, bis Emden von der Allerheiligenflut ereilt wurde. Die neu eingerichtete Bibliothek war stark davon betroffen. Ein großer Teil der damals vorhandenen Bücher ging verloren. Einige wenige Bücher, die von der Flut verschont geblieben waren, bewahrte der Kirchenrat in der Konsistorienstube der Großen Kirche auf.

1574
Theologe und Reformator
Albert Hardenberg
Als Albert Hardenberg starb, hinterließ auch er seine Bücher der Gemeinde, die seit 1578 in einem eigens dafür eingerichteten Bibliothekssaal untergebracht wurden.

16 Jh.
Moederkerk
Im 16. Jahrhundert war die Stadt Emden ein wichtiges Zentrum des Buchdruckergewerbes in Europa.
Ihre Kirche galt als „Moederkerk“ (Mutterkirche) der niederländischen Reformation. Emden entsandte reformatorische Theologen, nahm aber auch tausende von Glaubensflüchtlingen auf, die der Stadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer großen wirtschaftlichen Blüte verhalfen. Emden avancierte innerhalb weniger Jahre zu einer der größten Städte im Deutschen Reich und beheimatete seinerzeit den wichtigsten Seehafen Europas.
17 Jh.
Neuzugänge
Über Jahrhunderte wuchs eine unvergleichliche Sammlung, zu der u. a. Bücher aus dem Nachlass von Erasmus von Rotterdam und Rudolf Agricola gehören sowie auch wertvolle Handschriften, wie z.B. jene aus der Bibliothek des ehemaligen Klosters Aduard. So wurde nach dem Tode Friedrich Salmuths (1592-1625) ein Großteil seiner Bücher von der Witwe angekauft. Einige darunter stammten aus dem Nachlass seiner Vorfahren, die sich als Universitätsprofessoren und Reformatoren in Sachsen einen Namen gemacht hatten, wie z.B. der Urgroßvater Salmuths, Johann Pfeffinger, der als Reformator Leipzigs gilt. Später wurde auch die juristische Bibliothek des ehemaligen Emder Syndicus Geldericus Crumminga, die der Stadt Emden gehörte, der Bibliothek in der Großen Kirche eingegliedert. Die theologische Literatursammlung des Fürstenhauses Ysenburg-Büdingen befindet sich ebenfalls im Bestand. Nicht immer waren es theologische Bücher, die den Weg in die Regale fanden. 1944 z.B. vermachte der Gymnasialprofessor Friedrich Ritter seine gut sortierte landeskundliche Bibliothek der Großen Kirche. Bibliophile Kostbarkeiten aus der Sammlung Johann Philipp Janssen und Werke des Druckgraphikers Otto Rohse gehören heute zum Bestand wie auch die land- und seekartographische Bibliothek von Arend W. Lang.
1944
Zerstörung
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Emder Altstadt dem Erdboden gleichgemacht. Die Ruine der Großen Kirche blieb als Mahnmal stehen.
1992-1995
Wiederaufbau
Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts entstand auf dem Trümmergrundstück eine völlig neue Bibliothek für die Bücher der Emder Gemeinde. Die Ruine der Großen Kirche wurde behutsam in den Bau integriert und so entstand eine wunderschöne Symbiose von Alt und Neu. 1993 ist die ehemalige Bibliothek der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Emden als Stiftung bürgerlichen Rechts verselbständigt und in Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden umbenannt worden.


