Staffordshire

Kaminhunde

Natürlich kannte auch Bernhard Brahms die Geschichten von den Kaminhunden, die zu den Mitbringseln der ostfriesischen Seeleute gehörten:

Königin Viktoria von England hatte die Prostitution im Lande verboten. Die Damen in den Etablissements der Hafenstädte führten daraufhin Handel mit Kaminhunden aus Staffordshire. Nahm nun ein Mann die Dienste einer dieser Damen in Anspruch, dann zahlte er und bekam einen Kaminhund geschenkt. Wurde er anschließend von einem Polizisten angehalten, konnte er den Besuch des jeweiligen Hauses mit dem angeblichen Kauf eines solchen Hundes begründen.

Es heißt aber auch, dass die Hunde signalisierten, ob man in ein solches Etablissement eintreten durfte oder nicht. War der Rücken eines Kaminhundes zu sehen, war die Dame beschäftigt. Die Vorderseite der Hunde signalisierte hingegen, dass neue Gäste willkommen waren.

Dabei dürfte es sich aber um Seemannsgarn handeln. Hierzulande waren die Hunde eher ein Statussymbol bzw. Prestigeobjekt der seefahrenden Familien und wurden als Souvenir von Englandreisen mit nach Hause gebracht und verschenkt.
 

Kaminhunde | 19. Jh. | Staffordshire, ohne Meisterzeichen

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Bernhard Brahms über Figuren aus Staffordshire:

„Die hat der Großvater – der Kapitän, der da von der glatten Gangway runtergefallen ist – die hat der von England mitgebracht und die standen bei meiner Großmutter immer auf einer Kommode. Und da war ich noch so klein, dass ich bei meinem Vater immer auf dem Schoß saß und da stierte ich immer diese blöden Hunde an. Und da wusste ich nichts mit anzufangen, man durfte sie nicht anfassen, der Kopf ging nicht ab, so wie bei den Osterhasen […] und man durfte nicht damit spielen. […] Wie ich diese Hunde nun mal hatte (er hatte sie geerbt), da gab es die dann in Gold. Dann musste ich die in Gold haben und in Braun, aber die waren damals auch so wahnsinnig teuer. Die kosteten 500 bis 800 Mark […] und dann habe ich die in Amerika auf einem Flohmarkt ganz früh morgens entdeckt in einem Glaskasten, da sah ich dann schon von Weitem zwei kleine Hunde. […] Mensch, ich schoss da drauf los: „What do you want for the doggies?“ Und da war so eine dicke Tante, die hatte die Zigarette hier so hängen und eine ganz tiefe Stimme. Und dann (sagte sie): „Sixty five Dollars“. Dann hatte ich – ich war ja Reiseleiter – meinen Namen hier stehen, und ich sagte: „Can‘ t you make them a little cheaper?“ „I make them fifty for you, because I like your lullaby so much Mr. Brahms.“ Eine gebildete Frau…“ lachte Brahms.

[Aus: Heike Sawodny, Ein Sammler und seine Leidenschaft, Emden 2008]

 

 

 

Katzenpaar | Staffordshire, ohne Meisterzeichen

 

 



Hund als Fidibusbehälter | Staffordshire, ohne Meisterzeichen

 

 

 

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